Rund ein Zehntel weniger Lehrstellen im Angebot als 2002
Stabile Nachfrage – sinkendes Angebot

Die Schwäche der Wirtschaft macht sich am Lehrstellenmarkt bemerkbar: Bis März haben die Unternehmen laut Bundesanstalt für Arbeit nur 393 000 Ausbildungsstellen gemeldet - 58 000 weniger als ein Jahr zuvor. Dagegen blieb die Zahl der Jugendlichen, die mit dem neuen Ausbildungsjahr im Herbst eine Lehre beginnen wollen, bei 523 000 fast konstant.

dc DÜSSELDORF. Das Bild zeichnet sich bereits seit Beginn der laufenden Vermittlungssaison in der Statistik ab: Bei minimal rückläufiger Nachfrage liegt das Angebot Monat für Monat um gut 10 % unter Vorjahresniveau. Bis zum gestrigen Ausbildungsgipfel gab es auch kein Anzeichen dafür, dass die Betriebe womöglich nur zögern und ihre Stellen nur später melden als sonst.

Zwar lehrt die Erfahrung, dass die Frühjahrszahlen die Lage stets negativ überzeichnen. Doch das relativiert die Dramatik nur zum Teil: Im März 2002 belief sich der rechnerische Mangel auf knapp 80 000 Ausbildungsplätze - tatsächlich waren zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres nur noch 23 000 Bewerber ohne Lehrstelle; und knapp die Hälfte von ihnen konnte bis Ende Dezember noch nachvermittelt werden. Nun aber ist die bis Jahresende noch zu schließende Lücke zwei Drittel größer.

Wie ökonomische Krisen durchschlagen können, zeigt beispielhaft die Bauwirtschaft: Dort hat sich die Zahl der Lehrstellen für gewerbliche Berufe seit 1995 auf zuletzt noch 46 000 fast halbiert. Neben kurzfristigen Kostenerwägungen kommt bei den Betrieben zum Tragen, dass sie Auszubildenden in Zeiten des Personalabbaus keine Übernahme in eine Anstellung garantieren wollen - doch etliche Tarifverträge schreiben Übernahmegarantien für zwölf Monate fest. Reinhold Weiß, Berufsbildungsexperte am Institut der Deutschen Wirtschaft, sieht darin eine Erklärung für das rückläufige Angebot - zumal gleichzeitig die Modernisierung von Lehrinhalten und Berufsbildern nicht mit den betrieblichen Anforderungen Schritt halte.

Die Gewerkschaften begründen ihren Ruf nach einer Ausbildungsabgabe damit, dass derzeit kaum ein Drittel aller Betriebe überhaupt ausbildet. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung reicht das Spektrum von rund 20 % bei Kleinbetrieben bis zu 90 % bei Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern. Gerade Kleinbetriebe wären folglich von einer Abgabe betroffen. Zu beachten sei auch, sagt Weiß, dass insgesamt gut 40 % nach geltendem Recht gar nicht ausbilden dürfen. Er hofft daher auf den Plan der Bundesregierung, die Regeln der Ausbildereigungs-Verordnung auszusetzen, damit das Reservoir möglicher Ausbildungsbetriebe wächst.

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