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Rund um das mobile Netz ist viel Diplomatie gefragt

So reden sonst nur Diplomaten und Politiker: "Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Man nähert sich Schritt für Schritt an und legt nicht alle Karten auf den Tisch." In diesem Fall handelt es sich aber um den Vertriebschef eines Handy-Herstellers, der die Beziehung zwischen Hersteller, Netzbetreiber und den Anbietern von Inhalten für das mobile Internet beschreibt. Mit den gedrechselten Worte versucht er zu erklären, warum der Durchbruch für das Surfen per Handy noch auf sich warten lässt. Übersetzt sagt er: Schuld sind immer auch die anderen, denn alle Beteiligten agieren mit angezogener Handbremse.

HB DÜSSELDORF. Der Start der neuen schnelleren Übertragungstechnik GPRS wird daran nicht viel ändern. Zwar beseitigt GPRS zwei wichtige Hürden des mobilen Web-Zugriffs: Die Seiten werden schneller übertragen, die Kosten für heutiger Wap-Dienste sollen sinken. An I-Mode, das erfolgreiche japanische Pendant, wird Wap aber wohl auch mit GPRS nicht heran reichen. "I-Mode ist sehr viel komfortabler und bietet mit mehr als 10 000 Diensten viel mehr Nutzwert und Spaß als Wap", sagt Karina Bond vom britischen Marktforschungsinstitut Analysys.

Mobilfunkbetreiber, Inhalte-Lieferanten und Gerätehersteller schieben sich gegenseitig die Verantwortung für den Fehlstart von Wap in die Schuhe. Öffentlich drücken sich alle Beteiligen allerdings sehr vorsichtig aus. "Wir hoffen durch GPRS auf mehr und bessere Inhalte für das mobile Internet,das würde Wap-Dienste attraktiver machen", heißt es bei Viag Interkom. Das sehen die Inhalte-Lieferanten anders: "Attraktive Angebote sind da", sagt Roman Kocholl, Geschäftsführer der Tomorrow New Media GmbH. Die neue Tochter der Tomorrow Internet AG entwickelt unter anderem mobile Dienste. "Aber es hat sich bei den Telekom-Unternehmen nur langsam die Einsicht durchgesetzt, dass richtige Dienste für das mobile Internet entwickelt werden müssen", meint Kocholl.

Alexander Samwer von Jamba , einem Portal für elektronischen Handel per Handy, fordert von den Netzbetreibern noch mehr: "Sie müssten ihre Gebührenmodelle umstellen, damit es sich lohnt, mehr Wap-Inhalte zu liefern." So müssten Inhalte abhängig von der Zugriffszahl bezahlt werden. Die Hersteller von Mobiltelefonen sehen die Angelegenheit noch etwas anders: "Die Akzeptanz von Wap via GPRS hängt von den Preisen und Tarifen ab, die die Netzbetreiber fordern. Das muss man abwarten", heißt es bei Siemens. Zudem habe man die Standardisierung bei GPRS spät abgeschlossen, was die Tests verzögert habe. Das Unternehmen stellt seine GPRS-Handys auf der Cebit im März vor.

Branchenkenner halten all die Probleme für lösbar. "Die Firmen dürfen mit diesen Lösungen nicht solange warten, bis alles abgesichert ist", sagt Arno Wilfert, Telekomexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Unternehmen wie die Kölner Telesens KSCL AG haben bereits eine Software entwickelt, mit der auch beim Handy nach der Zahl und Dauer der Seitenaufrufe abgerechnet werden kann. "Das setzt aber relativ hohe Investitionen voraus", sagt Ralf Hellebrand von Telesens, "sowohl bei den Netzbetreibern als auch bei den Inhalte-Anbietern." Diese müssten ihre Dienste erweitern, so dass Zugriffe der Surfer protokolliert werden können. Netzbetreiber müssen dagegen ihre Abrechnungssoftware ersetzen oder ergänzen. Viag Interkom hat dies gestern angekündigt.

Auch die Hersteller von Mobiltelefonen müssen sich etwas Neues einfallen lassen. "Die bisherigen Handys sind absolut kein ideales Surfmedium", sagt Peter Funke von der Unternehmensberatung SMP. Die Displays müssten größer werden, um das Surfen komfortabler zu machen. Denn Sprache sei künftig nicht mehr das zentrale Element.

Inzwischen wird den Inhalte-Lieferanten die Zeit lang. Viele Firmen machen Umsätze von weniger als 10 000 DM im Monat. Andere sind bereits pleite gegangen, wie das schwedische Unternehmen Citikey. Die Firma hatte ein vielgelobtes Geschäftsmodell: ein Wap-Info-Dienst, der lokale Informationen per Handy verfügbar machen wollte. Den großen Durchbruch für Inhalte-Anbieter sieht Funke erst in den nächsten Jahren, wenn die UMTS-Netze stehen: "Auf Grund der hohen Investitionen in UMTS-Lizenzen und Infrastruktur werden alle Beteiligten mehr Druck erzeugen, damit das Ganze zu einem Erfolg wird."

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