Rundumschlag Völlers belebt Manager-Debatte
„Rudi stand allein da“

Der Emotionsausbruch bei DFB-Trainer Rudi Völler weckt neue Spekulationen: Braucht der Teamchef einen sportlichen Manager an seiner Seite? Völlers Wutausbruch vor laufender Kamera nach dem 0:0 in Island hat gezeigt, dass er in solch schwierigen Situationen der deutschen Öffentlichkeit allein gegenüber steht. Daran kann auch der Rückhalt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nichts ändern.

HB DORTMUND. "Rudi verfügt beim DFB über einen erstklassigen Stab - vom Zeugwart bis zur medizinischen Abteilung. Aber bei so einer extremen Situation ist es legitim zu fragen: Kann man ihm nicht einen Partner zur Seite stellen, der für ihn durchs Fegefeuer geht?" Mit dieser Aussage bestätigte Leverkusens Geschäftsführer Reiner Calmund am Mittwoch die Problematik.

Völler hatte sich in den drei Jahren seiner Amtszeit schon einige Male einen starken Mann gewünscht, der in kritischen Situationen nach innen und außen mit für Entspannung sorgt. Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge hatte diese Aufgabe nach der desolaten EM 2000 als Sprecher der damals eingerichteten Task Force übernommen und war auf Wunsch von Völler auch vor den WM-Relegationsspielen gegen die Ukraine vor zwei Jahren nochmals inoffiziell in diese Rolle geschlüpft. Bayern München hatte sogar die feste Installierung eines Sportdirektors neben dem für die Organisation zuständigen Teammanagers Bernd Pfaff angeregt. DFB-Präsident Gerhard Mayer- Vorfelder sieht dafür bis heute keine Notwendigkeit.

"Rudi Völler stand ein bisschen allein da"

Nach den Erfahrungen während der Tage von Reykjavik und Dortmund, in denen die überragende Wirkung der Nationalmannschaft auf extreme Weise deutlich wurde, könnte das Thema neu auf die Tagesordnung kommen. "Wir wollen uns nicht vordrängen. Aber wenn Rudi Völler diese Diskussion wünscht, können wir sie führen", sagte Dieter Hoeneß. "Rudi Völler stand ein bisschen allein da", urteilte der ehemalige Auswahl-Kapitän Oliver Bierhoff. In Spitzenclubs hätten in einer ähnlichen Situation Männer wie die Hoeneß-Brüder den "Abfangjäger" für ihre Trainer gespielt.

Der Arbeitskreis Nationalmannschaft, dem neben zwei Mal Hoeneß, Rummenigge und Calmund noch die Manager Michael Meier (Borussia Dortmund) und Rudi Assauer (Schalke 04) angehören, hatte sich sofort hinter Völler gestellt. "Die Manager geben ihm volle Rückendeckung. Das ist wichtig für Rudi", bemerkte Calmund. Aber in Dortmund musste Völler jeden Tag allein vor die Presse treten und im Quartier die Spieler einschwören. Schon vor drei Wochen hatte der Teamchef am Rande des 0:1 gegen Italien bei einer Sitzung mit dem Arbeitskreis ausdrücklich dafür votiert, die Task Force nicht abzuschaffen.

Das Anforderungsprofil für einen neuen Partner von Völler würden allerdings nur Wenige erfüllen. "Es geht nicht nur darum, dass ihm einer in der Öffentlichkeit zur Seite steht, sondern er muss auch Kompetenz haben. Ansonsten wäre er ein bisschen Frühstücksdirektor", sagte Dieter Hoeneß. Der DFB-Präsident müsste einem sportlichen Manager Verantwortung übertragen, auch wenn klar ist: "Rudi Völler ist der absolute Chef im Ring", wie Calmund betonte.

Bierhoff und Klinsmann Kanditaten?

Mayer-Vorfelder, der die Nationalelf als "Chefsache" betrachtet, aber aus gesundheitlichen Gründen in Island fehlte, bleibt bei seiner ablehnenden Haltung: "Das ist nicht nötig", sagte er vor dem Spiel gegen Schottland mit Verweis auf die wenigen Termine der Nationalelf im Vergleich zum Tagesgeschäft Bundesliga. "Länderspiele sind nur zeitliche Abschnitte. Rudi weiß, dass wir voll hinter ihm stehen."

Geeignete Kandidaten wären ohnehin schwer zu finden. "Wer läuft denn rum, der die Sachkenntnis hat und nicht schon an einen Verein gebunden ist?", gab Hertha-Manager Hoeneß zu bedenken. Aus dem Arbeitskreis würde derzeit wohl keiner zum DFB wechseln, und eine Doppelfunktion ist nicht praktikabel. Man könnte sich aber im Kreis ehemaliger Nationalmannschaftsgrößen wie Bierhoff oder Jürgen Klinsmann umschauen, die Abläufe sowohl in den Topclubs, als auch beim DFB kennen und eine öffentliche Wirksamkeit haben.

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