Rupert Murdoch und John Malone arbeiten Hand in Hand
Katz-und-Maus-Spiel mit Leo Kirch

Die Amerikaner greifen an. Deutschland gilt derzeit als der lukrativste Medienmarkt außerhalb der USA. Die Chancen für einen Sieg der beiden Mediengiganten Rupert Murdoch und John Malone stehen nicht schlecht. Die Medienbranche in Deutschland befindet sich angesichts sinkender Werbeeinnahmen und fehlender Wachstumsphantasien in einer schweren Krise. Murdoch (News Corp.) und Malone (Liberty Media) wittern ihre Chance.

HB DÜSSELDORF. Zwischen den beiden Medienunternehmern herrscht eine klare Aufgabenteilung. "Malone holt sich das Kabel, und Murdoch besorgt die Inhalte. Damit können sie den deutschen Medienmarkt aufrollen", erklärt ein Kirch-Insider. Im 70-jährigen Murdoch, der mit der News Corp. über ein weltumspannendes Netz aus Fernsehsendern, Zeitungen ("Sun", "Times") und Verlagen verfügt, könnte Leo Kirch seinen Meister gefunden haben. Der australisch-amerikanische Citizen Kane gilt als gerissen, risikobereit und rücksichtslos. Nach seinem abgeblasenen Engagement im US-Satellitenfernsehen verfügt er über eine gut gefüllte Kriegskasse. Der gesundheitlich angeschlagene Leo Kirch ist über sein verlustreiches Bezahlfernsehen Murdoch ausgeliefert: Eine Abmachung zwischen beiden sieht vor, dass sich Murdoch im nächsten Herbst ausbezahlen lassen kann, wenn Premiere World seine Unternehmensziele verfehlt. Und aller Voraussicht nach wird Premiere seine Ziele verfehlen. Damit werden 3 Mrd. DM fällig.

Murdochs bisherige Versuche, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen - wie beim Champions-League-Kanal TM3 - waren kaum mehr als ein Intermezzo. Das soll sich jetzt ändern. Zusammen mit seinem Freund Malone entsteht ein für Kirch gefährlicher Gegner. Malone und Murdoch arbeiten Hand in Hand. Schon jetzt ist Malones Liberty Media mit 18 % größter Gesellschafter an der News Corp. Wie weit die Absprache geht, zeigte sich zuletzt beim Gipfel zwischen Malone und Kirch Ende November in Berlin. Überraschend kündigte der Kabel-König aus Colorado an, von Murdoch Anteile an Premiere World übernehmen zu wollen. Die Irritation bei Kirch war groß. Denn durch die Übernahme von sechs der neun Kabelnetze der Deutschen Telekom für 5,5 Mrd. Euro würde Malone nicht nur die Vertriebskanäle, sondern auch noch das Bezahlfernsehen beherrschen. Kein Wunder, dass der Münchener Medienkonzern beim Bundeskartellamt seine Stimme gegen Malones Kabelambitionen erhob.

Um kartellrechtliche Hürden zu überwinden, hat Malone seinen Freund Murdoch ins Boot geholt. Das Modell zum Geldverdienen ist überzeugend: Murdoch fungiert mit Sendern und Inhalten als Großhändler. Einzelhändler Malone liefert dann die TV-Ware - in verschiedenen Größen und Qualitäten verpackt - in die deutschen Haushalte. Nur einer stört beim Geldverdienen - der unberechenbare Leo Kirch.

Mit nur rund drei Dutzend Mitarbeitern steuert Malone von Denver aus sein Imperium aus Medien- und Telekommunikationsunternehmen, inklusive einer Minderheitsbeteiligung an AOL Time Warner, größter Medienkonzern der Welt. Auf dem deutschen Markt ist das Raubein aus dem Wilden Westen längst vertreten. Sein Discovery Channel gehört zum Programmpaket von Premiere. Viel Freude bereitet Malone der gewinnträchtige Einkaufskanal QVC. Seit kurzem schreibt auch der in Düsseldorf ansässige Teleshopping-Ableger Gewinne.

Der 60-jährige Malone ist ein Experte für das Zusammenführen von Unternehmen. Die Börse traut ihm viel zu. Alle großen Banken halten derzeit Liberty Media für einen guten Kauf. Der Angriff auf Deutschland sorgt für viel Phantasie.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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