Rupprath verpasst Weltrekord um 1/100 Sekunde
„Franzi"-Festspiele in Berlin

Drei Finals - drei Mal Gold: Der erste internationale Auftritt nach zweijähriger Pause wird für die 24-Jährige zum triumphalen Comeback. Nach zwei Mal Staffel-Gold schwamm "Franzi" bei den Europameisterschaften in ihrer Heimatstadt am Mittwoch zum Titel über 100 m Freistil.

dpa BERLIN. "Super", sagte Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). "Ich freue mich auf Olympia 2004 in Athen mit Franzi." Die 19 Jahre alte Heike Fischer aus Leipzig wurde Europameisterin im Springen vom 1-m-Brett. Der Rostocker Christian Löffler musste sich nach einem verpatzten letzten Sprung mit Bronze begnügen. Thomas Rupprath verfehlte im Halbfinale über 50 m Rücken in Europarekordzeit von 25,00 Sekunden den Weltrekord nur um 1/100.

Jubelnd streckte Franziska van Almsick die Faust in den Himmel, als sie nach 54,39 Sekunden zu Gold angeschlagen hatte. Sie stellte zugleich den deutschen Rekord ein. "Ich bin ganz schön platt jetzt", stellte sie an Land fest, "ich wusste nicht, wo ich bin und wie ich bin. Es hat geklappt. Ich bin glücklich und platt." Ihr Dank galt den Fans: "Ich bin hier zu Hause und so warmherzig empfangen worden. Das Publikum trägt mich nach vorn." Kurz vor dem Start hatte "Franzi" noch den Badeanzug wechseln müssen. "Das Essen im Hotel ist so gut." Petra Dallmann (Heidelberg) wurde Vierte in 54,66 Sekunden.

"Franzi" feierte ihren ersten EM-Einzeltitel seit 1995 und den 16. ihrer großen Karriere. Sie hat noch viel vor. Über 100 m Schmetterling will sie in Berlin den 14 Jahre alten deutschen Rekord von Kristin Otto knacken. "Absolute Priorität" haben aber die 200 m Freistil am Samstag. Dann will sie ihren acht Jahre Weltrekord in die Vergangenheit schicken. "Ich lasse mich überraschen."

Und wenn sie sich den Traum Weltrekord erfüllt hat? Nimmt sie die Herausforderung WM 2003 in Barcelona und Olympia 2004 an? Oder sagt sie dann einfach: Tschüs - das war's? "Es würde nichts bringen, sie zu überreden", sagt Cheftrainer Ralf Beckmann, "wenn es so käme, würde ich sie zum Essen einladen und in vier Wochen noch einmal darüber reden. Ich würde mich in Respekt vor dem, was sie geleistet hat, verneigen."

Einen Supertag erwischte Springerin Heike Fischer. Mit 308,58 Punkten ließen sie Titelverteidigerin Vera Ilina (307,53) keine Chance. "Vera Ilina zu schlagen, ist schon wunderschön", sagte sie. Vier Mal hintereinander hatte sich die Russin den Titel geholt. Conny Schmalfuß (Berlin) wurde Fünfte. Gold hatte auch Löffler drauf, aber der Rostocker patzte, in Führung liegend, beim Schlusssprung. Bronze. "Ich bin völlig fertig, ich war so nervös." Europameister wurde der Italiener Nicola Marconi.

Über 100 m Kraul verfehlte der niederländische Olympiasieger Pieter van den Hoogenband in 47,86 Sekunden seinen Weltrekord nur um 2/100. "Es war kein perfektes Rennen, ich kann noch schneller." Der russische Titelverteidiger "Zar" Alexander Popow hatte als Zweiter in 48,94 Sekunden keine Chance. Torsten Spanneberg (Berlin) wurde Siebter.

Über 200 m Lagen kamen Christian Keller (Essen) und Jens Kruppa (Riesa) auf die Plätze sechs und sieben. Simone Weiler (Heidelberg) wurde über 100 m Brust Achte. Über 800 m Freistil zogen Jana Henke (Potsdam) als Vorlauf-Zweite und Weltmeisterin Hannah Stockbauer aus Erlangen als Dritte in das Finale am Donnerstag ein. Annika Mehlhorn (Baunatal) und Nicole Hetzer (Magdeburg) qualifizierten sich für den Endlauf über 200 m Lagen.

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