Rush Hour
Befehlen statt Quatschen

Dass einem innerhalb eines halben Jahres alles abhanden kommt, was man für sicher und unverbrüchlich gehalten hat, kann vorkommen. Nur, wenn es das Kerngeschäft betrifft, wird das peinlich. Und extrem schmerzhaft.

Dass einem innerhalb eines halben Jahres alles abhanden kommt, was man für sicher und unverbrüchlich gehalten hat, kann vorkommen. Nur, wenn es das Kerngeschäft betrifft, wird das peinlich. Und extrem schmerzhaft.

Betrachten wir einmal Organisation als Kerngeschäft Deutschlands. Die deutsche Verwaltung ist die Gründlichkeit schlechthin. Sie fühlt sich wohl, wenn der Bürger, beladen mit akribisch ausgefüllten Formularen, ihre Räumlichkeiten betritt, eine Nummer zieht, und sich geduldet. Bis die deutsche Verwaltung Zeit für ihn hat, ihm Baugenehmigungen erteilt, oder nur eine neue Nummer fürs Auto gewährt. Deutsche Unternehmer sind weltweit berühmt, weil ihre Werkshallen sauber gefegt, die Büropflanzenblätter blank geputzt und auch die letzte Kaffeeküchen-Kaffeemaschine ordnungsgemäß entkalkt ist. Die Hosen von Unternehmensberatern aus Düsseldorf, München und Hamburg tragen die weltweit schärfsten Bügelfalten, und die Hersteller der Bügelmaschinen gehören zu den angesehensten Vertretern der Deutschland AG.

Alles eine Frage von Ordnung und Organisation. Nur, dass alle wissen, dass das nicht mehr reicht. Weil es keinen Platz für Kreativität gibt in den aufgeräumten Ämtern und Unternehmen.

Deshalb hat sich die Verwaltung in Bürger-Service umbenannt, hat sich ein freundliches Antlitz übergestreift und begrüßt den Bürger augenzwinkernd, wenn er die Beratungs-Points betritt. Die Unternehmen haben Personalentwicklungsabteilungen gegründet und Meetingzonen eingerichtet, in denen die Mitarbeiter zwanglose Gesprächsformen üben. Die Firma ist zum Freund geworden, der dem Mitarbeiter auf die Schulter haut und herumkumpelt, damit der Laden läuft. Die Unternehmensberater haben den Beratungsbedarf dazu erfunden: das Networking.

Sie reden nicht mehr: Sie kommunizieren, koordinieren und kooperieren. Netzwerke werden gebildet, Task-Forces zusammengestellt und Kickoff-Meetings abgehalten. Alle sind Freunde, Zulieferer sind Partner, outgesourcte Abteilungen sind Service-Einheiten. Jeder darf mitreden. Damit das Klima stimmt. Und keine Idee verloren gehen kann.

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