Russisch-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen
Hintergrund: Außer Spesen kaum was gewesen

Einen großen Abrüstungsvertrag und eine Gemeinsame Erklärung über strategische Zusammenarbeit haben Bush und Putin auf ihrem Moskau-Gipfel unterschrieben. Wirtschaftlich blieb das Treffen außer einer unkonkreten Energie-Charta weitgehend unergiebig.

MOSKAU. Russland hofft weiter auf wirtschaftliches Entgegenkommen der USA. Binnen drei Wochen, am 16. Juni, werde Washington Moskau den dringend zur Stimulierung des Handels nötigen Marktwirtschafts-Status zuerkennen, machte der russische Wirtschaftsminister German Gref am Freitag nach dem Treffen der beiden Präsidenten in Optimismus. Das US-Parlament hatte am Vorabend den so genannten Jackson-Vanik-Paragraphen entgegen des Drängens von US-Präsident George W. Bush zur Streichung unangetastet gelassen. Bush unterstrich in Moskau nochmals, dass er für die Abschaffung des von Wladimir Putin als "Relikt des Kalten Krieges" verurteilten Handelshemmnisses eintrete.

"Was von mir direkt abhängt, das werde ich schnell lösen", versprach Bush unter Hinweis auf die gewünschte intensivere Wirtschaftskooperation mit Russland. Allerdings hatte der US-Präsident das auch auf allen vier früheren Treffen mit Putin betont und statt dessen Strafzölle zur Abschottung von Stahllieferungen verhängt, die neben der EU auch die russische Industrie hart trafen. Im Stahlstreit solle es aber bald eine Einigung geben, deutete Gref an: Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll vom Montag an in den USA die strittigen Fragen erörtern und ein Abkommen zwischen beiden Ländern ausarbeiten, das Russland von den US-Stahlstrafzöllen weitgehend unberührt lässt. "Wenn die USA unseren billigen Stahl und unser billiges Aluminium nehmen, werden ihre Flugzeuge billiger", riss Putin das leidige Thema gegenüber seinem US-Kollegen an.

Amerikanisch-russischer Energie-Dialog

Bush und Putin vereinbarten auch einen "amerikanisch-russischen Energie-Dialog" zur "Erhöhung der Welt Energie-Sicherheit und der weltweiten strategischen Stabilität", wie in dem von beiden unterzeichneten Dokument steht. Dabei sollen Konzerne beider Länder künftig intensiver kooperieren bei Suche, Förderung, Verarbeitung und Transport von Energieträgern. Washington wolle dazu beitragen, dass US-Unternehmen verstärkt in die russische Energiewirtschaft investierten, heisst es in der Erklärung. Vor allem zur Entwicklung der Öl- und Gas-Industrie in Russlands Fernem Osten. Die USA wollten Moskau auch dabei helfen, mehr Zugang zu den Weltmärkten zu bekommen - auch durch kommerzielle Zusammenarbeit beim Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur.

Russland musste im Gegenzug für versprochene Hilfen akzeptieren, dass ins Energiedialog-Papier geschrieben wurde, dass vielfältige Pipeline-Varianten in der Region des rohstoffreichen Kaspischen Meeres gefördert werden sollen. Bush hatte dazu erklärt, dass neben der bestehenden, in den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk laufenden Kaspi-Pipeline auch die von Aserbajdschans Hauptstadt Baku in den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan führende Linie gebaut werden solle. Diese 1730 Kilometer lange und 2,9 Mrd. $ teure Route war von Russland immer abgelehnt worden. Vielmehr wollte Moskau, dass die gigantischen Öl- und Gasfunde im Kapsi über sein Territorium auf die Weltmärkte gebracht werden, um über die Transitgebühren vom Boom an der Grenze zwischen Kaukasus und Mittelasien zu profitieren.

US-Wirtschaftsminister Donald Evans hatte zuvor auf Treffen mit Gref, Gazprom-Chef Alexej Miller und Energieminister Igor Jusufow vereinbart, dass Russland den US-Konzernen mehr Erkundungsmöglichkeiten für Erdöl und Erdgas einräumt, diese bald aber deutlich mehr in das Riesenreich investierten. Allein für die Entwicklung des Ölfeldes Sachalin-1 vor der gleichnamigen russischen Pazifikinsel werden unter Führung von ExxonMobil mehr als 10 Mrd. $ Investitionen benötigt. Eine deutliche Erhöhung der von den USA zur Diversifizierung ihrer Ölimporte gewünschten russischen Erdöllieferungen sei durch zu geringe Pipeline- und See-Transport-Kapazitäten begrenzt. Darauf wies Gref hin. Hierein müssten die Amerikaner in Russland stärker investiren, wenn sie unabhängiger von den Golfstaaten bei ihrer Energieversorgung werden wollten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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