Russisch-amerikanischer Gipfel im Kreml
Kommentar: Freunde, die (noch) keine sind

Friede, Freude, Eierkuchen. Dieser Kinderspruch wird der hohen Politik wieder einmal gerecht. Denn "Freunde zielen nicht mit Raketen gegen einander" - dieser Ausspruch George W. Bushs zu seinem russischen Freund Wladimir Putin stimmt. Die Raketen beider atomarer Großmächte bleiben aber aufeinander gerichtet. Nicht einmal die bis 2012 von den Trägersystemen abzunehmenden, zwei Drittel der heute 6860 (Russland) und 7519 (USA) Gefechtsköpfe werden verschrottet. "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", scheint dabei die von Lenin übernommene Russland-Devise Bushs zu lauten. Und steht damit im Gegensatz zum von ihm formulierten "Klima des Vertrauens" und dem ernsthaften Wunsch um Freundschaft.

Auch in anderen Fragen wie Iran, Irak oder der Wirtschaft konnte der noch bis Sonntagfrüh dauernde Gipfel kaum Ergebnisse vorweisen. Das liegt zuvörderst an Washington: Die USA wollen die Freundschaft mit Russland; sie wollen, dass sich Moskau an internationale Spielregeln hält. Das ist richtig und - wie Bush den Berliner Bürgermeister quasi zitierte - gut so. Aber Russland endlich den Marktwirtschafts-Status zu geben, um das hart am ökonomischen Aufholen arbeitende Riesenreich durch Handelserleichterungen zu helfen, dazu konnte sich die einzig verbliebene Supermacht bis heute nicht durchringen.

Putin hat alles getan, dass sein Land Reformen nicht mehr nur deshalb anpackt, um Kredite aus dem Westen zu bekommen. Der eiserne Wladimir will sein Land wirklich verändern, es wirtschaftlich wieder aufbauen. Deshalb geht er konsequent in Richtung Westen. Nur sollte ihm der Westen dabei ein paar Schritte entgegen kommen. Denn schon Gorbatschow und Jelzin waren gescheitert, weil ihre Reformen der Masse des leidgeprüften Volkes letztlich kaum mehr als neue Qualen brachten. Scheitert Putin, wäre der Westen wieder einmal mitschuldig.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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