Russische Gazprom pokert um Einfluss in der Chemiebranche
Optimismus an der Budapester Börse wächst

Nach einem schwachen Börsenjahr 2000 hofft man in Budapest auf neue Anstöße aus dem anhaltenden Wirtschaftswachstum. Ob neben den führenden Telekom -, Chemie-, Bank- und IT-Werten auch mittelständische Gesellschaften anderer Branchen stärker eingreifen können, bleibt abzuwarten.

BUDAPEST. Die Umsätze und der Index Bux haben zwar in der Zeit um den Jahreswechsel beträchtlich zugelegt, doch ist die Stimmung an der Budapester Aktienbörse nur verhalten bis leicht optimistisch. Den Akteuren steckt noch das Jahr 2000 in den Knochen, das zu den schwächsten seit Bestehen der Börse zählte. Nach dem Allzeithoch von knapp 10 500 Punkten am 10. März und einem Tief von gut 6 600 Punkten im Herbst hatte der Index Bux zum Jahresende mit 7 850 Punkten geschlossen. Zu den Ursachen zählten neben der Abhängigkeit vom internationalen Geschehen vor allem die Eingriffe der Regierung in den Gas- und Pharmamarkt.

Auch die abnehmende Zahl der börsennotierten Unternehmen, die Konzentration des Geschäfts auf wenige wirklich attraktive Werte und die Schlacht um die Chemieindustrie spielten eine Rolle. Mit Graphisoft kam nur eine neue IT-Gesellschaft an die Börse. Die höheren Umsätze der letzten Wochen hatten zudem viel mit der seit 1. Januar geltenden neuen Steuer auf Kapitaleinkommen zu tun. Anlass für Optimismus gibt bislang vor allem die Tatsache, dass die ungarische Wirtschaft auch 2001 um 5 % wachsen wird.

Indes deuten sich auch Gefahren für die Preisstabilität und das außenwirtschaftliche Gleichgewicht durch den einsetzenden Wahlkampf und die damit verbundene expansive Haushaltspolitik der Regierung an. Möglicherweise wird auch die Heraufsetzung des Kreditratings für Ungarn durch Standard & Poor?s, Fitch IBCA und Moody?s ausländische Anleger wieder auf das Budapester Parkett locken. Börsenchefin Dunavölgyi und Wirtschaftsminister Matolcsy sind zuversichtlich.

Die Analysten verfolgen vor allem den anhaltenden Kampf um die Chemieindustrie, dessen Motor die expansive Strategie des russischen Energiegiganten Gazprom ist. Das Geschehen konzentriert sich dabei auf Borsodchem Rt und TVK Rt. Aber auch Mol Rt ist mit im Spiel. Einerseits verfolgt Mol selbst langfristige Interessen hinsichtlich der Chemiebranche; andererseits wurden ihre Aktien zuletzt massiv von ausländischen Investoren gekauft, die möglicherweise die Interessen von Gazprom vertreten.

Auf Grund der historischen Erfahrungen denken ungarische Politiker bei solchen Vorgängen auf dem Kapitalmarkt gleich auch an mögliche politisch imperialistische Interessen Moskaus. Des Weiteren dürfte das Budapester Börsengeschehen in Zukunft stark durch die Entwicklung des Telekommarktführers Matav Rt bestimmt werden, der mehrheitlich im Besitz der Deutschen Telekom ist. Ein Konsortium unter Führung der Matav ist gerade mit 51 % bei der Macedonski Telekomunikacii eingestiegen. Weitere Akquisitionen in Südosteuropa werden angepeilt. Vor allem aber rüstet sich Matav mit einem Programm zur Effizienzsteigerung für die anstehende weitere Liberalisierung des Telekommarktes. Bei der Radio- und Fernsehgesellschaft Antenna Hungaria Rt zeichnet sich ab, dass sie an Investoren der Branche verkauft wird; vor allem Vivendi steht bereit.

Zu den Motoren des Aktienmarktes wird weiterhin auch die ungarische Sparbank OTP gehören, die rund 50 % aller Privatkonten des Landes führt und mit Aktiva von über 6 Mrd. $ dreimal so stark ist wie der nächstgrößte Konkurrent. Sie führt Gespräche mit der Postabank Rt. Ohnehin machen die führenden Werte der Liste A wie Matav, Mol, OTP, Richter, Borsodchem, TVK und Synergon das Budapester Börsengeschehen weitgehend unter sich aus. Die Gewichtung von Matav, OTP und Mol im Rahmen des Index Bux liegt bei 27,85 %, 17,45 % und 17,04 %.

Möglicherweise führt das in Arbeit befindliche neue Wertpapiergesetz zu einer Erleichterung des Börsenzugangs. Ob das Bemühen von Börsenchefin Dunavölgyi, mehr einheimische Mittelständler an die Börse zu holen, erfolgreich sein wird, bleibt angesichts der harten Steuer- und Kreditbedingungen abzuwarten. Die Suche nach einem Partner für das Budapester Parkett dürfte am ehesten unter den westeuropäischen Börsen erfolgreich sein.

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