Russische IT-Firmen profitieren von der weltweiten Wirtschaftskrise
„Made in Russia“ auf Software statt auf Panzern

Russische IT-Firmen können ihre Dienstleistung zur Hälfte des Preises der westlichen Konkurrenten anbieten - doch nicht nur der Preis macht die Programmierer im sibirischen Akademgorodok, der Ostsee-Metropole St. Petersburg oder dem Forscherstädtchen Dubna bei Moskau immer begehrter.

MOSKAU. "Russische Programmierer entwickeln selbstständig komplexe Lösungen", sagt Alexej Sucharew. Seine Firma Auriga ist Teil des so genannten Offshore-Programmierens - der Auslagerung von Systemlösungen für IT-Anwender.

Russische Firmen haben 2002 beim Auftragsprogrammieren 300 Mill. $ eingenommen - nichts natürlich im Vergleich zu den Rohstoff- Exporten des Riesenreichs und wenig auch verglichen mit den fast acht Mrd. $, die indische Firmen mit Programmierdienstleistungen erlösen. Doch ist dies immerhin eine Verdreifachung der Umsätze für das Reich der Kälte im boomenden Programmiermarkt.

Allein mit Deutschland machten russische Softwarefirmen 33 bis 37 Mill. $ Umsatz, in diesem Jahr dürften es zehn Prozent mehr werden, sagt Walentin Makarow, Präsident des russischen IT-Branchenverbands Russoft. "Wegen ihres starren Arbeitsrechts können deutsche Software-Unternehmen immer schwerer weltweit konkurrieren. Deshalb lagern sie immer mehr Aufträge nach Russland aus." Das Interesse sei inzwischen so groß, dass russische Computer-Schmieden im Oktober eine Road-Show durch Deutschland machen. Schon jetzt arbeiten Petersburger Programmierer an einer Online-Plattform für den Einkauf eines großen deutschen Autokonzerns. Doch deutsche Kunden dürfen russische Unternehmen oft nicht nennen, weil die Besteller dies wegen des offenbar noch immer schlechten Russland- Images nicht wollen. Andere Kunden wie Intel, Motorola, oder Nokia sind weniger zurückhaltend.

Aber auch Deutschlands führender Software-Konzern, SAP, lässt aus Russland zuliefern: EPAM Systems heißt das Unternehmen, das am xApps-Programm der Waldorfer mitarbeitet. "EPAM ist ein effizienter und vertrauenswürdiger Partner für SAP, und das schon seit Jahren", sagt der für die xApps-Entwicklung zuständige Senior Vice President Dennis Moore. Auch die Internetseite bild.t-online.de arbeitet mit russischen Entwicklern der Software- Schmiede Intenium. Die hat so viel zu tun, dass die eigenen Programmierer nicht ausreichen, Intenium-Chef Konstantin Nikulin muss daher "weitere russische Unternehmen anheuern".

Intenium ist dabei offiziell wie EPAM und Auriga eine Westfirma: Intenium sitzt in Hamburg, die beiden anderen in Amerika - die Programmierer aber arbeiten in Russland. Auriga-Chef Sucharew erklärt, warum: Westliche Unternehmen wollten sich beim Auslagern von IT-Aufgaben rechtlich nicht auf sibirisches Glatteis begeben.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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