Russische Ölaktien leiden unter wachsenden Steuern und Kosten
Yukos hat die beste Marktposition

Der hohe Ölpreis beflügelt den russischen Aktienmarkt. Doch er hat auch negative Effekte: Die Exportsteuer steigt mit dem Preis, die russische Währung ebenfalls. Der Branchenriese Lukoil kommt zudem nach Ansicht von Experten mit seinem Programm zur Kostensenkung nicht weiter. Dafür hat er eine Lizenz im Irak als Trumpf im Ärmel.

MOSKAU. Dass russische Aktien die großen Gewinner der gestiegenen Erdölpreises werden, ist eine weit verbreitete Meinung. Richtig ist sie nicht. Zwar haben die Rohöl-Rekordpreise den russischen Aktienindex RTS vorige Woche auf ein Neun-Monats- Hoch getrieben. Doch so paradox es klingt: Der außergewöhnlich hohe Preis schade russischen Ölkonzernen sogar, meinen Moskauer Analysten. Denn die hohen Ölerlöse würden mitnichten in die Konzernkassen gespült. Vielmehr steige bei einem Preis für Erdöl von über 25 $ pro Barrel die russische Ölexportsteuer. Der Ölexperte der Moskauer Investmentbank Aton, Steven Daschewskij, sagt: "Pro Dollar mehr beim Ölpreis nimmt sich der Staat 65 bis 70 Cents."

Dafür schlage ein hoher Ölpreis aber auf der Währungsseite voll zu Buche, erklärt Öl-Analyst Pawel Kuschnir von der russischen Brokerfirma Vereinte Finanzgruppe (UFG). Da die Hälfte der Export-Devisenerlöse in Rubel zwangsgetauscht werden müsse, klettere die russische Währung immer weiter. Die Zentralbank in Moskau geht von einer realen Rubelaufwertung von 4 bis 6% in diesem Jahr aus. Ein weiteres Problem sind die Kosten. Das gilt vor allem für Russlands größten Ölkonzern Lukoil, meint Ölanalyst Kuschir: "Ihr Restrukturierungsprogramm greift bisher nicht. Und der hohe Ölpreis stimuliert das Management natürlich nicht zu umstrittenen, schmerzhaften Einschnitten."

Als Kauftipp bleibt bei Moskaus Aktien-Strategen der zweitgrößte Branchenriese, Yukos. "Yukos ist so aufgestellt, dass er auch sinkende Preise am besten verkraften kann", meint Kuschir. Zudem habe der russische Konzern mit der höchsten Marktkapitalisierung die besten Expansions-Möglichkeiten mit neuen Ölfeldern in Ost-Sibirien, die Märkte in China und Japan eröffneten.

Nach Meinung von Daschewskij und Kuschnir haben die meisten Ölkonzerne ihres Landes maximale Kurse erreicht. Bis auf Yukos oder riskante, kleinere Ölwerte rechnen sie damit, dass sich die Kurse russischer Ölaktien nicht besser als der Gesamtmarkt entwickeln. Auf einen Sonderaspekt weist aber Dmitrij Fedossow vom Deutschen Investment Trust (DIT) in Moskau hin: "Einen massiven Schub bekamen sie durch die Union zwischen BP und dem bislang viertgrößten russischen Ölkonzern TNK. Durch das Milliarden-Geschäft wurden auch andere russische Unternehmen vor allem aus dem Ölbereich neu bewertet. Besonders Yukos geriet dabei ins Visier der Käufer."

BP hatte kürzlich den Erwerb der Hälfte von TNK für 6,75 Mrd. $ verkündet, was die größte Investition in Russland darstellt und den drittgrößten Ölkonzern des Landes formt. Der BP-Deal habe mehr Aufmerksamkeit auf den russischen Markt gelenkt, meint auch Mattias Westman, Fondsmanager von Prosperity Capital.

Russlands Konzerne hoffen zudem auf neue Märkte: So sollen neben China und Japan künftig die USA mit Russen-Öl versorgt werden. TNK-Chef Simon Kukes geht von einer Verfünfzehnfachung der russischen US-Lieferungen auf 1,3 Mill. Barrel täglich aus.

Einen Trumpf hat möglicherweise Lukoil im Ärmel: Der Konzern hat bisher die Förderlizenz für das große irakische Ölfeld West-Qurna 2, aus dem sich Einnahmen von 20 Mrd. $ erzielen lassen. Bisher kann Lukoil das Feld wegen der Uno-Sanktionen gegen den Irak nicht anstechen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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