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Russische Veteranen warnen vor Afghanistan-Krieg

Die Erwartung eines US- Militärschlags gegen Afghanistan hat in Russland bittere Erinnerungen geweckt. Veteranen des sowjetischen Afghanistan- Krieges melden sich zu Wort und warnen die USA eindringlich vor einem Bodenkrieg.

Reuters MOSKAU. "Tut es nicht", lautet die Botschaft an den ehemaligen Erzfeind. Tausende Tote in den eigenen Reihen sagen die Russen den USA voraus und einen fast aussichtslosen Kampf in unwegsamen Gebieten und gegen entschlossene Guerilla-Truppen. Auch Bomben seien wenig hilfreich: In dem armen Land gebe es ohnehin wenig zu zerstören. Im Kampf gegen die Urheber der Attentäter sei vor allem eins entscheidend - ein verstärkter Einsatz der Geheimdienste.

Der Afghanistan-Krieg - für die damalige Sowjetunion war dieser Feldzug eine ähnlich traumatische Erfahrung wie für die USA der Vietnam-Krieg. Zehn Jahre dauerte der Krieg, der Einmarsch der Sowjet-Truppen im Dezember 1979 verschärfte die Ost-West-Konfrontation. Am Ende stand der schmachvolle Abzug der Sowjetarmee. Tausende Soldaten waren in Afghanistan gefallen und rund eine Million Afghanen. Weitere acht Mill. Afghanen wurden vertrieben oder gingen ins Exil.

"Die Amerikaner stehen davor, unsere Fehler zu wiederholen. Es ist nicht möglich, Afghanistan militärisch zu erobern oder zu befrieden", sagt der Berater der 1986 von den Mudschaheddin gestürzten weltlichen afghanischen Regierung, General Machmut Garejew, in einem Interview der Zeitung "Obschaja Gaseta". Afghanistan besitze keine nennenswerte Infrastruktur - für Luftangriffe gebe es also keine wichtigen Ziele. Zudem sei der Tod eigener Kämpfer für das moslemische Afghanistan weniger problematisch als für die USA. In Afghanistan gelte: "Was Allah gegeben hat, nimmt Allah wieder. Wer im Kampf für sein Vaterland und seinen Glauben getötet wird, geht direkt ein ins Paradies."

General Boris Gromow, der 1989 den Rückzug der geschlagenen Sowjet-Truppen leitete, erinnert sich in der Zeitung "Moskowski Komsomolez": "Die Sowjet-Truppen hatten Hunderttausende Soldaten und schwere Waffen. Sie kontrollierten die Haupt-Transportwege. Aber der Feind war gut vorbereitet und gut trainiert." Garejew verweist auf den hohen Aufwand eines Einsatzes von Bodentruppen: Von den 100 000 Sowjet-Soldaten im Afghanistan-Einsatz hätten nur 15 000 gekämpft. "Der Rest musste Straßen, Camps, Hauptquartiere, Kommunikationsknoten und andere Militäreinrichtungen bewachen."

Auch der Vize-Vorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des russischen Föderationsrats, Wladimir Kulakow, empfiehlt den USA, einen Krieg zu vermeiden und gezielt "terroristische Unterschlüpfe" anzugreifen. Der von den USA als mutmaßlicher Drahtzieher der Attentate in New York und Washington genannte Osama bin Laden und die Führer der Guerilla- Kämpfer müssten in speziellen Operationen überwältigt werden, sagte Kulakow der russischen Agentur Interfax. Andernfalls gingen die USA einer sicheren Niederlage entgegen.

"Wir haben in den zehn Jahren Afghanistan-Krieg 15 000 Mann verloren - ich glaube nicht, dass es den Amerikanern anders ergehen würde", sagt General Gromow. Er fügt hinzu: "Geheimdienst-Arbeit aller Art wird die wichtigste Rolle spielen, vor allem der Einsatz von Agenten." Zusätzliches Geld für diese Dienste sei nötig. "Es kann keinen Erfolg ohne sie geben."

Einen lang andauernden Kampf gegen die Drahtzieher und Sympathisanten der Attentate hält man auch in Russland für nötig: "Es muss einen gnadenlosen Kampf gegen Terroristen geben", sagt Boris Agapow, ein ehemaliger Kommandeur sowjetischer Grenztruppen. Die Ergreifung Bin Ladens reiche nicht aus. "Wir müssen dieses Übel beenden, sonst wird es nicht nur weiter bestehen, sondern sich noch ausbreiten.

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