Russischer Bericht für die UNO
Studie über Bin Ladens Organisation

Der von den USA gesuchte Extremist Osama bin Laden soll Anfang des Jahres 55 Lager und Büros mit über 13 000 Gefolgsleuten in Afghanistan unterhalten haben. Das belegt ein von Russland für die Vereinten Nationen (UNO) im März verfasster Bericht.

rtr ISLAMABAD. Die Ausbildungslager und sonstigen Stützpunkte des Extremisten konzentrierten sich demnach auf die Region um die Hauptstadt Kabul, sowie um die Städte Kandahar, Dschalalabad und Masar-i-Scharif. Die Lager seien in früheren afghanischen Armeestützpunkten, ehemaligen Kolchosen aus der sowjetischen Besatzungszeit (1979 bis 1989) sowie in Höhlen in unwegsamen Bergregionen untergebracht. Bin Laden wird von den USA als Hauptverdächtiger für die Anschläge in New York und Washington gesucht.

Dem vor einem halben Jahr abgeschlossenen Bericht zufolge gehörten zu den Gefolgsleuten Bin Ladens in Afghanistan neben Arabern und Philippinern auch mehr als 2500 Kämpfer aus der nach Unabhängigkeit strebenden russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien. Zudem hätten sich im März rund 3500 pakistanische Fundamentalisten im Land aufgehalten. Insgesamt 31 Pakistaner - darunter auch Diplomaten und Generäle - werden in dem Bericht als Berater der radikal-islamischen Taliban-Regierung in Kabul genannt.

Dem russischen Bericht zufolge hatten sechs Pakistaner hochrangige Posten in der Militärführung der Taliban inne. Eine frühere königliche Residenz im Südwesten Kabuls diene als Hauptquartier des Kommandeurs der pakistanischen Streitkräfte in Afghanistan, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem überwache Pakistan von der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif aus die Grenzen zu Turkmenistan und Usbekistan mit einem AWACS-Aufklärungsflugzeug.

Eine Stellungnahme des pakistanischen Militärs zu dem Bericht war zunächst nicht erhältlich. Pakistan, das mittlerweile als einziges Land weltweit die Taliban-Regierung anerkennt, hat eine militärische Unterstützung der Taliban stets bestritten und den USA seine Unterstützung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zugesagt, den diese nach den Anschlägen am 11. September ausgerufen haben.

Einer beiliegenden Notiz zufolge wurde die russische Studie auf eine Anfrage des UNO-Sicherheitsrats aus dem Jahr 1999 hin verfasst, in der das UNO-Gremium um Informationen über Stützpunkte und Ausbildungslager Bin Ladens sowie über Unterstützer des Extremisten bat. Die UNO hatte nach zwei Anschlägen in Afrika 1998, die Bin Laden zur Last gelegt werden, Sanktionen gegen Afghanistan verhänt, weil es dem Extremisten Schutz bot.

Der russische Bericht listet detailliert die Regionen und Orte auf, in denen sich die Gefolgsleute Bin Ladens im März aufhielten. Der größte Teil der Kämpfer befand sich demnach auf dem früheren Armee-Stützpunkt Rischchor, südlich von Kabul. Unter der Leitung des Stellvertreters von Bin Laden, Kari Saifullah Ahtar, befanden sich danach in dem Lager rund 7000 Kämpfer, darunter rund 150 Araber und pakistanische Fundamentalisten. Zudem sei dort ein pakistanisches Armeeregiment untergebracht. In einem nahe gelegenen Lager würden ferner Kämpfer von Ausbildern aus Libyen, Tunesien und Ägypten geschult. Weiter südlich seien 50 Philippiner und 40 Angehörige des überwiegend moslemischen Volks der Uiguren aus Westchina in einem Ausbildungslager untergebracht.

Auch die südafghanische Stadt Kandahar, die als Hochburg der Taliban gilt, wird in dem vor einem halben Jahr verfassten Bericht sechs Mal erwähnt, jedoch nicht im Zusammenhang mit militärischen Einrichtungen. Im Osten Afghanistans wird die Region um die Stadt Dschalalabad als weiteres Zentrum der militärischen Kommandostruktur Bin Ladens genannt. Dort seien die Kämpfer in der Stadt sowie in zwei früheren Kolchosen aus der sowjetischen Besatzungszeit und in einem verlassenen Armeeposten an der pakistanischen Grenze untergebracht.

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