Russischer Präsident Putin zu Besuch in Nordkorea
Nordkorea stellt Verzicht auf eigene Raketentechnologie in Aussicht

dpa PJÖNGJANG/MOSKAU. Das von den USA unlängst noch als "Schurkenstaat" eingestufte kommunistische Nordkorea hat einen Verzicht auf die Entwicklung eigener Raketentechnologie unter Bedingungen in Aussicht gestellt. Das sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch nach einem zweistündigen Gespräch mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il. Putin wurde bei seinem ersten offiziellen Besuch in Pjöngjang von jubelnden Menschenmengen empfangen. Der Besuch Putins in Nordkorea wurde im Westen mit großer Aufmerksamkeit beobachtet.

Nordkorea sei bereit, "ausschließlich Raketentechnologie anderer Länder zu nutzen, wenn es dafür freien Zugang zu Trägerraketen für die friedliche Erforschung des Weltraums bekommt", sagte Putin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in Pjöngjang. Nach Ansicht Putins sollten gerade die Länder Nordkorea dabei unterstützen, die den Staat als Bedrohung einschätzten. "Man kann die Bedrohung reduzieren, wenn man Nordkorea seine Trägerraketen zur Verfügung stellt", sagte Putin. Die USA führen als Begründung für die weltweit umstrittenen Pläne für den Aufbau einer nationalen Raketenabwehr (NMD) unter anderem eine mögliche atomare Bedrohung durch Nordkorea an.

Kim habe ihm versichert, dass "alle Raketenprogramme Nordkoreas einen ausschließlich friedlichen Charakter" haben, sagte Putin weiter. Russland sei bereit, zu einer Verbesserung der Lage auf der geteilten koreanischen Halbinsel beizutragen. Den Friedensprozess zwischen Nord- und Südkorea müssten aber auch die USA, China und Japan unterstützen, forderte er. Beide Staatsoberhäupter wollten zum Abschluss der Gespräche eine Erklärung zu Sicherheitsfragen und die Lage auf der geteilten koreanischen Halbinsel unterzeichnen.

Putin soll am Freitag zu Beginn des Gipfeltreffens der sieben großen Industrienationen und Russlands (G-8) im japanischen Okinawa den Staats- und Regierungschefs über seine Reise nach Pjöngjang berichten. Er ist der erste russische Präsident, der dem früheren kommunistischen Bruderland der Sowjetunion einen Besuch abstattet.

Das russische Parlament ratifizierte am Mittwoch in Moskau zeitgleich zu Putins Gesprächen in Pjöngjang den im Februar von beiden Ländern geschlossenen Freundschaftsvertrag. Der Vertrag sei ein "positiver Schritt", um die Beziehungen zu verbessern, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den russischen Staatschef. Putin lud Kim zu einem Besuch nach Russland ein.

Kim empfing seinen russischen Gast am Flughafen mit militärischen Ehren. Jubelnde Menschenmassen säumten die Straßen Pjöngjangs, auf denen die Wagenkolonne zur Residenz Kims fuhr. Der Konvoi habe mehrere Male angehalten, weil zahlreiche Menschen Putin Blumen überreichen wollten, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax.

Pionier-Mädchen legten ihm ein rotes Halstuch um. Die Menschen hätten "Kim Jong Il - Putin!" und "Es lebe die Freundschaft" skandiert, hieß es weiter. Putin legte einen Kranz in dem Mausoleum nieder, in dem der Sarg des 1994 gestorbenen Staats- und Parteichefs Kim Il Sung, des Vaters von Kim Jong Il, aufgebahrt ist.

Bereits am Vortag hatte Putin während seines Besuches in Peking zusammen mit Staats- und Parteichef Jiang Zemin eine Erklärung gegen den geplanten amerikanischen Raketenschutzschild (NMD) unterzeichnet. Russland und China hatten ihren Widerstand gegen eine "einseitige militärische Vorherrschaft" der USA erklärt und vor einem neuen internationalen Rüstungswettlauf gewarnt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%