Russisches Energie für Europa
Ruhrgas-Konsortium soll Gas-Transit sichern

Internationale Konzerne werden Pipeline durch die Ukraine betreiben. Beim Transport von russischem Gas nach Europa gilt der Transit durch die Ukraine als Risikofaktor. Ein internationales Konsortium soll das marode Leitungsnetz nun sanieren und betreiben.

juf/ink/dpa DÜSSELDORF/BERLIN. Die Essener Ruhrgas AG will in einem internationalen Konsortium den Betrieb der Pipeline in der Ukraine übernehmen, um den Transport von russischem Erdgas nach Westeuropa sicherzustellen. Da durch die Ukraine 80% der russischen Gas-Exporte nach Westeuropa flössen, sei ein geregelter Transit für die Versorgungssicherheit wichtig, teilte das Unternehmen gestern mit. "Ruhrgas ist bereit, dieses ebenso wichtige wie anspruchsvolle Projekt mitzugestalten", sagte Vorstandschef Burckhard Bergmann.

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Amtskollege Leonid Kutschma hatten am Sonntag die Bildung eines internationalen Konsortiums als Betreiber des Gasleitungssystems von Russland durch die Ukraine nach Westeuropa vereinbart. Deutschland hatte sich kurz darauf dem Projekt angeschlossen. Dem Konsortium sollen der russische Erdgasriese Gazprom und Naftogas Ukrainy angehören. Neben Ruhrgas wurden die Wintershall AG aus Kassel, Shell, die italienische Eni und Gaz de France als mögliche ausländische Teilhaber genannt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete das trilaterale Abkommen als bedeutende Übereinkunft. Seit Monaten hatte die Bundesregierung zusammen mit Russland darauf hingewirkt, eine Zusage des ukrainischenPräsidenten zu einer privaten Lösung zu erhalten.

In der Bundesregierung misst man dem Projekt und auch der Beteiligung deutscher Firmen strategische Bedeutung für die Versorgungssicherheit Deutschlands zu. Denn der Anteil Russlands an der Energieversorgung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und hat die Abhängigkeit vom politisch instabilen Nahen Osten reduziert. Immer wieder war sowohl von russischer als auch deutscher Seite moniert worden, dass bei der Durchleitung durch die Ukraine ein sehr großer Teil des Gases wegen maroder Pipelines beziehungsweise bewusster Ableitungen verloren geht. Geplant sei nur eine Konzessionierung des Pipelinebetriebes, aber keine Privatisierung der Leitungen, betonte der ukrainische Vizeregierungschef Oleg Dubina in St. Petersburg. "Europa will die Gaslieferungen garantiert sehen, Russland will den Transit garantiert sehen, und die Ukraine will das Pipelinesystem als ihres garantiert sehen", sagte Dubina.

Alle Dokumente sollen bis August ausgearbeitet werden. Über den Preis der Lizenz gab es zunächst keine Angaben. Im Präsidialamt des ukrainischen Staatschefs Leonid Kutschma wurden nach einem Bericht der Zeitung "Wedomosti" 1,5Mrd.Dollar als Erstzahlung genannt. Wegen der "komplexen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen" sei die Gründung eines Konsortiums der richtige Weg, sagte Bergmann. Als einer der größten Kunden für russisches Erdgas mit einer Bezugsmenge von jährlich 20 Mrd. Kubikmeter habe die Ruhrgas das entsprechende technische Know-How. Das Unternehmen arbeite bereits seit Jahren mit der ukrainischen und russischen Gaswirtschaft auch in technischen Projekten zusammen.

Russland und die Ukraine wollen mit der Vereinbarung den zehn Jahre lang immer wieder aufgeflammten Streit um den Gastransit und unbezahlte Rechnungen beilegen. Angesichts der Kiewer Schulden, die sich zeitweise auf mehrere Milliarden Dollar beliefen, drohte immer wieder ein Ausverkauf des ukrainischen Leitungssystems. Von dem Konsortium erhoffen sich beide Seiten Investitionen in das 35.500 Kilometer lange Leitungsnetz der Ukraine. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, für Sofort-Investitionen sollten 2,5 Mrd.Dollar bereitgestellt werden. Langfristig würden die Investitionen 15 Mrd.Dollar betragen.

Quelle: Handelsblatt

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