Russland bittet um Finanzhilfe
Experten halten Hebung der Kursk für möglich

Eine Bergung des Atom-U-Boots wäre teuer und schwierig, aber prinzipiell machbar, heißt es in Fachkreisen.

ap AMSTERDAM. Für die Mannschaft der "Kursk" kam jede Hilfe zu spät. Was bleibt, ist allein die Bergung der Toten - und ihres stählernen Sargs. Anders als mehrere in den vergangenen Jahrzehnten gesunkene amerikanische und russische Atom-U-Boote soll die "Kursk" offenbar nicht ihrem Schicksal am Grund des Ozeans überlassen werden. Eine Hebung sei zwar schwierig und teuer, meinen Experten - aber machbar.

"Es würde mich wundern, wenn sie sie nicht bergen würden", sagt Richard Sharp, ehemaliger Kommandant auf einem britischen Atom-U-Boot. Die Lage der am 12. August abgesackten "Kursk" gut 100 Meter unter dem Meeresspiegel mache eine Hebung einfacher als bei den bisher verunglückten Atom-U-Booten: Diese liegen in bis zu 4 800 Metern Tiefe.

Wie die "Kursk" vom Meeresgrund geholt werden könnte, darüber sind sich die Experten noch längst nicht einig. Eine Möglichkeiten ist nach Ansicht von Fachleuten, dem U-Boot mit Luftkissen und in die Innenräume gepumpter Luft Auftrieb zu verschaffen. Dies hänge aber davon ab, wie stabil das Wrack noch sei. Dass das Boot offenbar aufgerissen wurde, könne die Bergung behindern, mahnen sie. Unter Umständen könne sich dies wegen der besseren Zugänglichkeit aber auch als vorteilhaft erweisen. Möglicherweise müsse die "Kursk" in der Tiefe auch in Teile zerlegt werden, die dann einzeln geborgen werden könnten.

"Es wird keine einfache Aufgabe sein, aber es ist sicherlich machbar", sagt der niederländische Nuklearexperte Hugo van Dam, der auch an Untersuchungen nach dem Sinken der russischen "Komsomolez" im Jahr 1989 beteiligt war. Eines von den insgesamt vier verlorenen russischen Atom-U-Booten sei bereits nahe Murmansk gehoben worden, berichtet er. Die Russen hätten dies allerdings nie bestätigt.

Eine weitere Geheimaktion war die versuchte Bergung eines russischen Atom-U-Boots 1974, diesmal eine Initiative der Amerikaner. Der US-Geheimdienst CIA bestätigte später, dass das 1968 rund 1 200 Kilometer vor Hawaii gesunkene Boot bei der Hebung in zwei Teile zerbrochen und eine Hälfte wieder zum Meeresboden zurückfiel.



Zwtl: Bergung anderer Atom-U-Boote scheiterte an hohen Kosten



Neben den russischen stecken noch zwei amerikanische Atom-U-Boote auf dem Grund der Ozeane fest. Bei fast allen sei die Bergung an den hohen Kosten gescheitert, berichtet Sharp, der heute für den britischen Militärinformationsdienst "Jane" arbeitet. So hatten internationale Experten auch für die "Komsomolez", die nördlich von Norwegen 1 500 Meter tief unterging, eine Bergung für möglich gehalten. Der Preis allerdings war zu hoch für die russische Regierung.

Bei der "Kursk" sei die Situation aber eine andere, meint Sharp, denn sie sitze "mitten im Übungsgebiet der russischen Nordmeerflotte". "Und sie werden genau wissen wollen, was passiert ist", ist er sich sicher. Die Kosten für die Hebung schätzt Daan Koornneef vom Bergungsunternehmen Wijsmuller in der niederländischen Hafenstadt Ijmuiden auf umgerechnet mehr als 200 Mill. DM. Moskau richtete bereits einen Appell an die internationale Gemeinschaft, mit Geld und Ausrüstung zu helfen.

"Kein einziges Land kann alleine eine solche Aktion bewältigen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Ilja Klebanow. Der frühere Kommandeur der Nordmeerflotte, Admiral Eduard Baltin, erklärte unterdessen, angesichts der technischen Schwierigkeiten, finanzieller Engpässe und kritischer Wetterbedingungen in der Barentssee könne die Bergung des gesamten Atom-U-Boots etwa ein Jahr dauern.



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