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Russland: Gasprom will Übernahme von Media-Most erzwingen

Der russische Erdgasmonopolist Gasprom will vor Gericht die Übernahme von Russlands größtem privaten Medienunternehmen Media-Most des Kreml-Kritikers Wladimir Gussinski erzwingen.

dpa MOSKAU. Gasproms Tochterunternehmen Gasprom-Media wolle daraufhin Anteile von Media-Most an einen westlichen Investor verkaufen, kündigte der Chef von Gasprom-Media, Alfred Koch, am Dienstag in Moskau an. Gussinski, Haupteigentümer von Media-Most, bezeichnet den im Juli beschlossenen Verkauf seines hochverschuldeten Unternehmens dagegen als erzwungen und damit ungültig. Zu Media-Most gehört unter anderem der bekannte Fernsehsender NTW.

Die Klage gegen Media-Most sei vorbereitet und solle in den kommenden Tagen beim Gericht eingereicht werden, kündigte Koch an. Die Generalstaatsanwaltschaft drohte mit einem Strafverfahren für den Fall, dass Vermögensanteile von Media-Most ins Ausland geschafft worden seien. Dem nach einer vorübergehenden Festnahme im Sommer zurzeit in Spanien lebenden Medienmogul Gussinski wurden juristische Schritte für den Fall angedroht, dass er nicht vor den Ermittlern aussagt.

Gussinski, gegen den bis Juli wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern ermittelt wurde, hatte damals dem Verkauf von Media-Most an Gasprom zugestimmt. Wenige Tage darauf wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt, und er durfte Russland verlassen. In einem Telefon-Interview mit dem Radiosender "Echo Moskwy" bezeichnete Gussinski nun das Abkommen mit Gasprom als juristisch unwirksam, weil es "buchstäblich mit der Pistole" erzwungen worden sei. Er hatte dem Kreml wiederholt vorgeworfen, ihn wegen der kritischen Berichterstattung seiner Medien zu verfolgen.

Gasprom, bei dem der Kreml starken Einfluss ausübt, hält nach eigenen Angaben bereits 16 % der Anteile an Media-Most. Der Vize-Stabschef des Kremls, Dmitri Medwedew, ist Aufsichtsratschef von Gasprom. Die Gesamtsumme der Verpflichtungen von Media-Most beträgt nach Gasprom-Angaben 473 Mill. $ (etwa eine Milliarde DM). Media-Most habe bei Gasprom etwa 40 % seiner Aktien für Kredite und Bürgschaften hinterlegt. Die Eigentümer von Media-Most sollten bei dem Verkauf 300 Mill. $ erhalten.

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