Russland protestiert - USA verteidigen Festnahme
Früherer Jelzin-Berater Borodin in USA verhaftet

Der mit einem Schweizer Haftbefehl gesuchte Ex-Berater des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin, Pawel Borodin, ist nach offiziellen Angaben am Mittwoch in New York festgenommen worden.

Reuters MOSKAU. Die Schweiz werde seine Auslieferung beantragen, sagte der Genfer Staatsanwalt Bernard Bertossa am Donnerstag. Borodin wird vorgeworfen, in eine Bestechungsaffäre um zwei schweizerische Baufirmen verwickelt und an der Geldwäsche von 25 Mill. $ (rund 50 Mill. DM) beteiligt gewesen zu sein. Russland protestierte gegen die Festnahme und forderte von den USA, Borodin sofort frei zu lassen. Die USA erklärten dagegen, sie seien rechtlich zur Festnahme verpflichtet gewesen.

Borodin sei bei seiner Ankunft auf dem Kennedy-Flughafen festgenommen und in provisorische Auslieferungshaft genommen worden, sagte ein Sprecher des schweizerischen Bundesamtes für Justiz am Donnerstag. Die Schweiz habe nun 40 Tage Zeit, ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen. Borodin sollte noch am Donnerstag zur Anhörung vor einem New Yorker Gericht erscheinen.

Die Genfer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt fünf frühere Mitarbeiter des russischen Präsidialamtes, die verdächtigt werden, für die Vergabe von Renovierungs-Aufträgen im Kreml von den beiden Baufirmen Mercata und Mabetex Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben. Borodin war bis zum Amtsantritt von Präsident Wladimir Putin im vergangenen Jahr der Immobilienverwalter des Präsidialamtes. Aber auch Putin steht Borodin nach eigenen Angaben nahe. Auch Russlands Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Bestechungsvorwürfe gegen Borodin, stellte diese jedoch im Dezember vergangenen Jahres ein. Aus diesem Grund könne Borodin nicht in die Schweiz ausgeliefert werden, sagte in Genf einer von Borodins Anwälten, Dominique Poncet, der Nachrichtenagentur Reuters. Borodin selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Außenminister Igor Iwanow bestellte den US-Botschafter James Collins in Moskau ein und protestierte gegen die Festnahme Borodins. "Russland fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung", hieß es in einer Erklärung. Die USA hätten rechtliche Verpflichtungen gegenüber anderen Staaten, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums unter Hinweis auf den schweizerischen Haftbefehl. Wenn jemand ohne Immunität oder diplomatischen Status einreise, dessen Festnahme angeordnet sei, müssten die USA handeln. Borodin-Anwalt Boris Kusnezow sagte im russischen Rundfunk, sein Mandant habe diplomatischen Status, sei aber mit seinem regulären russischen Pass mit US-Visum in die USA gereist.

Im russischen Parlament löste die Festnahme Borodins unterschiedliche Reaktionen aus. Der kommunistische Duma-Abgeordnete Wasili Schandibin sagte, Borodin sei ein Patriot, der den Ausverkauf des Kreml verhindert habe. Der Nationalist Wladimir Schirinowski schlug vor, als Vergeltung US-Bürger in Russland festzunehmen. Dagegen sagte der liberale Abgeordnete Sergej Iwanenko, es sei ein Schande für Russland, dass ein hoher Regierungsvertreter in den USA wie ein kleiner Schwindler festgenommen worden sei. Die Gesetzgebungsorgane in Russland müssten sich mit der Korruption im Lande beschäftigen, sagte Iwanenko.

Zurzeit steht Borodin einer Kommission vor, die die Bildung einer Russisch-Weißrussischen Union begleitet. In dieser Eingenschaft reiste Borodin Medienberichten zufolge in die USA, um am Samstag an der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten George W. Bush teilzunehmen.

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