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Russland schlägt NATO europäische Raketenabwehr vor

Russland hat der NATO am Dienstag offiziell den Aufbau eines mobilen europäischen Raketenabwehrsystems vorgeschlagen. Verteidigungsminister Igor Sergejew übergab NATO-Generalsekretär George Robertson am Morgen in Moskau die entsprechenden Dokumente.

dpa MOSKAU. Im Gespräch mit NATO-Generalsekretär George Robertson erklärte Präsident Wladimir Putin im Kreml, dass Russland bereit sei, diese Pläne "in nächster Zukunft" in Brüssel der Europäischen Union vorzustellen. Nach Angaben Putins wolle Moskau die Idee mit allen NATO-Mitgliedern einschließlich der USA diskutieren, sagte Robertson nach dem Treffen.



Putin hatte diesen Vorschlag schon im Juni des Vorjahres unterbreitet. Das Verteidigungsbündnis hatte damals zurückhaltend auf den nicht näher präzisierten Vorstoß aus Moskau reagiert. Putin sagte Robertson, dass das "Problem der Raketenabwehr in seinen verschiedenen Varianten" neben der geplanten Ost-Erweiterung der NATO zu den «gegenwärtig brennendsten Problemen» Russlands gehöre.



Robertson erklärte, das westliche Bündnis werde den Vorschlag erst bewerten, "wenn wir mehr wissen". Es sei interessant, dass offenbar auch Russland inzwischen eine Bedrohung durch Raketen in der Hand von Drittländern oder von Terroristen sehe und nach Gegenmaßnahmen suche. Die Russen seien "jetzt an einer Medizin genauso interessiert wie an der Diagnose", sagte der Generalsekretär.



Raketenabwehr soll "nicht-strategisch" sein

Verteidigungsminister Igor Sergejew, der Robertson am Morgen zu Beginn der Unterredungen die offiziellen Unterlagen übergeben hatte, sagte nach Angaben der Agentur Interfax, die europäische Raketenabwehr solle "nicht-strategisch" sein.



Der in Moskau vorgestellte Plan sehe mehrere Etappen vor, sagte Leonid Iwaschow, Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit im russischen Verteidigungsministerium. Zunächst müsse geprüft werden, ob ein derartiges Abwehrsystem überhaupt notwendig sei. Bei Bestehen einer Bedrohung müsste diese "mit politischen oder anderen friedlichen Mitteln neutralisiert werden".



Erst danach sollten "bei Bedarf" die Elemente des Raketenabwehrsystems zusammengestellt werden. "Diese Elemente werden mobil sein und nur dorthin ausgerichtet werden, woher die größte Raketengefahr ausgeht, um die wichtigsten Objekte zu schützen", sagte Iwaschow. "Das System unterscheidet sich grundlegend vom geplanten Raketenschutzschirm NMD der USA." Das europäische Modell werde lediglich regional bei Bedarf aufgebaut, wenn eine konkrete Bedrohung aus einer Richtung bestehe.



Bei seinem dreitägigen Besuch in Moskau wollte Robertson am Dienstagabend ein Informationszentrum der NATO eröffnen, dessen Arbeitsaufnahme sich wegen des Kosovo-Konfliktes verzögert hatte.

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