Russland und islamische Staaten zweifeln an Mudschahedin
Die Nordallianz ist heillos zerstritten

In Russland und auch unter den islamischen Staaten mehren sich die Zweifel an den Fähigkeiten der Nordallianz, die als kommende Regierung für Afghanistan gehandelt wird. Die Außenminister der Organisation Islamische Konferenz, die gestern zu einem Treffen in Katar zusammengekommen waren, lehnen die Allianz vor allem deswegen ab, weil sie von den USA unterstützt werden.

mbr CHODSCHA-BAHAUDDIN. Russland dagegen hegt Zweifel an den militärischen Fähigkeiten der Nordallianz. Die immer wieder gemeldeten "Geländegewinne" seien reine Medienerfindungen, sagte der russische Botschafter in Tadschikistan, Alexej Peschkow. Die etwa 15 000 Soldaten der Allianz seien nicht nur nie regulär militärisch ausgebildet worden, sondern sie wechselten auch ständig von einer zur anderen Gruppe, berichtet der Amerikaner Richard Kidd, der früher die Mudschahedin militärisch beriet. Als die USA im Kampf gegen die Sowjetunion diese Gotteskrieger mit Stinger-Raketen ausgerüstet habe, hätten einige Gruppen anderen die Waffen abgenommen.

Die Allianz war im Juni 1997 unter dem Namen "Vereinigte Islamische Front zur Rettung Afghanistans" als Gegengewicht zu den Taliban gegründet worden. Vor allem der Iran und Indien standen damals Pate gegen den Erzfeind Pakistan. Doch bis heute bildet die Allianz nur eine lose Koalition aus zahlreichen, früher verfeindeten Mudschahedin-Führern. Dies ist nach Ansicht von Diplomaten in Zentralasien ihr Hauptproblem. Sie sei ein Sammelbecken nationaler Minderheiten. Es fehle ein Führer, der bei den Paschtunen Vertrauen genießt und die Taliban ablösen kann, heißt es. "Teppichdiebe" würden die Kämpfer des erst im April aus türkischem Asyl zurückgekehrten Anführers des usbekischen Teils der Nordallianz Raschid Dostum genannt.

Drei Heroinlabors

Ein anderes Problem ist nach Auskunft von Diplomaten, dass der Drogenhandel auch unter der Allianz floriert und die Anti-Taliban-Koalition so kaum zum dauerhaften Partner des Westens werden kann. In den von ihr kontrollierten Provinzen Afghanistans wird nach Schätzungen des Uno-Anti - Drogen-Programms auf rund 3 000 Hektar Opium geerntet. Mindestens drei Heroinlabors würden betrieben.

Dies alles führe dazu, da sind sich russische und islamische Diplomaten einig, dass der Westen dauerhaft eine politische Lösung für Afghanistan nicht allein mit der Allianz werde suchen können. Vielmehr sei die Gefahr "riesig", dass die Nordallianz-Führer nach einem Sieg über die Taliban - wie früher schon - die Waffen wieder gegeneinander richteten.

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