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Russland will Gaslieferungen an Jugoslawien wieder aufnehmen

Der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica und der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichneten am Freitag in Moskau ein Abkommen über den Ausbau der Beziehungen ihrer Länder.

ap MOSKAU/BRÜSSEL. Russland will die Erdgaslieferungen an Jugoslawien bald wieder aufnehmen. Der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica und der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichneten am Freitag in Moskau ein Abkommen über den Ausbau der Beziehungen ihrer Länder. Russland unterstützt zudem den Verbleib der Provinz Kosovo bei Jugoslawien. Unterdessen billigte das Europaparlament in Brüssel die Bereitstellung von 200 Mill. Euro (rund 390 Mill. DM) für Belgrad.

Kostunica sagte, beide Länder wollten eine Expertenrunde einsetzen, um die möglichst schnelle Wiederaufnahme der Gaslieferungen vorzubereiten. Vor dem Gespräch kündigte er den Vorschlag an, die Gaslieferungen über den Export von Waren zu finanzieren. Die Wiederaufnahme der Lieferungen könnte die Chancen des demokratischen Lagers bei der serbischen Parlamentswahl am 23. Dezember erhöhen. "Die Hälfte der Bevölkerung lebt ohne Strom und Heizung", erklärte Kostunica.

Kostunica warb bei seinem eintägigen Besuch in Moskau auch um Unterstützung für den Verbleib des Kosovos bei Jugoslawien. `Unsere Positionen stimmen überein, sowohl bezüglich der Sanktionen, als auch zu den Problemen im Kosovo sowie zur Aggression der NATO im vergangenen Jahr", sagte Kostunica nach dem Treffen mit Putin.

Russland hatte nach der Wahl in Jugoslawien gezögert, Kostunicas Wahlsieg anzuerkennen. Putin entsandte seinen Außenminister Igor Iwanow erst nach dem Ausbruch von Gewalt bei den Massendemonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Slobodan Milosevic nach Belgrad.

Am Freitag gratulierte Putin Kostunica zu dessen Sieg. `Auf Grund Ihrer Bemühungen, Ihrer Zurückhaltung und Ihrer richtig gewählten Taktik ist es Jugoslawien gelungen, aus der schwierigen Situation ohne Blutvergießen hervorzugehen", zitierte die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS Putin. Die jugoslawische Botschaft teilte unterdessen mit, Botschafter Borislav Milosevic, der Bruder des gestürzten Präsidenten, sei bereits vor einigen Tagen nach Belgrad zu Konsultationen abberufen worden.

Unterdessen stimmte das EU-Parlament einem Hilfspaket in Höhe von 200 Mill. Euro für Belgrad zu. Haushaltskommissarin Michaele Schreyer sagte, die Bewilligung sei in Rekordzeit erfolgt. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten Kostunica das Hilfspaket am 14. Oktober bei ihrem Treffen in Biarritz versprochen.

Die Schweiz unterstützt den Wiederaufbau Jugoslawiens mit 50 Mill. SFR (65 Mill. DM/33 Mill. Euro). Drei Regierungsvertreter reisten am Freitag nach Belgrad, um mit Beratern Kostunicas die Aufbauhilfe zu konkretisieren, wie die Regierung in Bern mitteilte. Dabei wurden sowohl aktuelle wirtschaftspolitische Fragen, als auch Sofortmaßnahmen im Bereich der humanitären Hilfe erörtert.

OSZE will Jugoslawien im Ende November wieder aufnehmen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilte nach einem Treffen der Außenminister-Troika in Wien mit, sie wolle Jugoslawien bei der Sitzung des Ministerrates am 27. und 28. November wieder aufnehmen. Die Mitgliedschaft Belgrads war 1992 wegen des Bosnienkriegs ausgesetzt worden. Ferner wiederholte die OSZE ihr Angebot, am Aufbau demokratischer Strukturen in Jugoslawien mitzuarbeiten und Beobachter zur serbischen Parlamentswahl zu entsenden, wie die Nachrichtenagentur APA meldete.

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