Russland will Grenze zu China schließen
Achter SARS-Fall in Deutschland

In Deutschland hat sich die Zahl der wahrscheinlichen Fälle der gefährlichen Lungenkrankheit SARS auf acht erhöht. Außerdem gebe es 38 Verdachtsfälle, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD) am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Bundestages in Berlin. Nach einer britischen Studie birgt SARS ein weit höheres Todesrisiko als angenommen. Insbesondere ältere Menschen sind danach gefährdet. In den USA dürfen ankommende Fluggäste bei SARS-Verdacht nach neuen Richtlinien jetzt gewaltsam isoliert werden.

HB/dpa BERLIN/PEKING/LONDON/MOSKAU.Die Weltgesundheitsorganisation WHO war bisher von sieben Fällen in Deutschland ausgegangen. Eine akute Gefahr durch SARS bestehe für Deutschland jedoch nicht, sagte Caspers-Merk.

Die russischen Gesundheitsbehörden haben derweil wegen der Lungenkrankheit SARS am Mittwoch erstmals eine vollständige Schließung der Grenzen zum benachbarten China in Erwägung gezogen. "Wir sind uns der Komplexität dieser Lösung bewusst, vor allem im wirtschaftlichen Bereich", sagte Russlands oberster Sanitärarzt Gennadi Onischtschenko. "Aber wenn sich die Lage mit der tödlichen Krankheit nicht stabilisiert, werden wir diesen Schritt (zur Grenzschließung) ergreifen." Sollte Russland tatsächlich die Grenzen schließen, um eine Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, werde dies auch den Flugverkehr betreffen.

Schon jetzt seien Abschnitte der russisch-chinesischen Grenze in Fernost "praktisch vollständig" gesperrt. In der nächsten Zeit würden weitere Einschränkungen im Grenzverkehr anderer Abschnitte erwartet, sagte Onischtschenko.

Ein russischer Staatsbürger, der seit dem 1. Mai mit SARS-Symptomen in der Grenzstadt Blagoweschtschensk in Quarantäne ist, soll nach allen bisherigen Untersuchungen von der Lungenkrankheit befallen sein. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst jedoch nicht vor.

SARS-Todesrisiko höher als angenommen

Die Sterblichkeitsrate bei SARS-Patienten im Alter von mehr als 60 Jahren liege bei über 40 %, ergab die Studie eines Forscherteams um Christl Donnelly und Roy Anderson vom Imperial College London, einem der weltweit führenden Institute für Infektionskrankheiten. Bei jüngeren Infizierten wurde eine Todesrate von rund 13 % ermittelt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bislang Raten von maximal 11 % registriert.

Die vom Fachmagazin "Lancet" im Internet veröffentlichte Studie stützt sich auf die Analyse von 1425 SARS-Fällen in Hongkong in den ersten neun Wochen nach Ausbruch der Krankheit. Die neue Schätzung der Todesrate könne allerdings noch etwas sinken, falls es weitere nicht registrierte Fälle gebe, die nicht zu Krankenhausaufenthalten oder zum Tod geführt haben, räumen die Autoren ein. Sie hatten bereits vor Veröffentlichung der Studie auf die höhere Todesrate hingewiesen.

Die Untersuchungen ergaben, dass etwa jeder fünfte mit dem SARS-Virus infizierte Krankenhauspatient stirbt. Die durchschnittliche Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch von SARS, wurde auf etwa sechseinhalb Tage geschätzt. Es sei enorm wichtig, neue Fälle rasch zu erkennen und unverzüglich zu behandeln, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. "Die Regierungen müssen sicherstellen, dass sich Menschen mit SARS-Symptomen umgehend melden und sich in eine Krankenhaus-Quarantäne begeben", forderte Autor Anderson.

China streicht Zugverbindungen - US-Einwanderungsbehörden greifen härter durch

In China nahm die Zahl der Erkrankten landesweit um 159 auf 4 560 weiter zu. fünf Patienten starben. Allein in Peking stehen etwa 10 000 Menschen unter Quarantäne. Um eine Ausbreitung einzudämmen, werden jetzt erstmals Bahnverbindungen gestrichen, wie der China News Service berichtete. "Die gegenwärtige Situation zeigt, dass der Zustrom von SARS-Erkrankten aus den Epidemiegebieten in die Provinz mit dem Zug erfolgt."

In den USA sollen Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde und des Zolls künftig hart durchgreifen. Die Beamten sollen Menschen mit SARS-Symptomen wie starken Atemproblemen und hohem Fieber festsetzen, berichtete die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Bei Bestätigung des SARS-Verdachts sollen die Betroffenen - notfalls auch gegen ihren Willen - in medizinischen Einrichtungen unter Quarantäne gestellt werden.

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