Russland will sechs weitere Atomkraftwerke liefern
Kreml riskiert wegen Iran Streit mit den USA

Zwischen Russland und den USA droht neuer Ärger. Moskau will weitere Atomkraftwerke (AKW) an die Perser liefern - obwohl Washington den Kreml bereits massiv zum Stopp des Baus eines Reaktors im iranischen Bushehr drängt. Mit den neuen Plänen verstößt Russland zudem gegen ein 1995 dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton gegebenes Versprechen, keine Atomanlangen über Bushehr hinaus im Iran zu bauen.

mbr MOSKAU. Vertreter des Pentagon drohen daher kaum verhüllt, den Bushehr-Reaktor noch vor der Inbetriebnahme zu bombardieren. Dies hätte unabsehbare Folgen für das russisch-amerikanische Verhältnis und würde von Teheran als Kriegserklärung gewertet. Eine hochrangige US-Delegation soll Moskau jetzt von den neuen Bauvorhaben abbringen. Die Amerikaner drohen zudem mit Handelssanktionen gegen Russland.

Der russische Atomtechnologiekonzern Technopromexport bestätigte am Dienstag, dass Russland nach dem 1 000-Megawatt-Leichtwasserreaktor in Bushehr von 2004 an vier mittelgroße Meiler in Tabas und Ramin sowie zwei kleine Reaktoren in Shahid Mohammad Montazeri bauen will. Insgesamt plane Teheran 15 neue Atomanlagen binnen zehn Jahren, die Technopromexport alle liefern wolle.

Ein von den Regierungen beider Länder jüngst unterzeichnetes Abkommen zur Verstärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sieht russische Hilfe im Iran beim Bau neuer Energieanlagen vor. Russland hält den Bau von AKW im Iran für zulässig, da sich Teheran zu Inspektionen durch Prüfer der Internationalen Atomagentur bereit erklärt hatte.

US-Präsident George W. Bush ist nach einem Bericht der "Washington Post" besonders verärgert, weil er in letzter Zeit mehrfach mit Kremlchef Wladimir Putin über den Iran geredet, sein russischer Kollege ihm von den Bauplänen aber nichts gesagt habe. Bush hatte Putin beim Gipfeltreffen im Mai in Moskau bereits massiv von der Fertigstellung des 1975 von Siemens begonnenen Bushehr-Baus abhalten wollen. Russland will die Iran-Projekte aber umsetzen, da allein Bushehr der angeschlagenen russischen Wirtschaft Aufträge für 800 Mill. $ bringt. Für Bush hingegen ist der Atom-Fall ein Prüfstein für die neuen Beziehungen zum Kreml, berichten US-Medien.

Die USA unterstellen Teheran, mit dem angereicherten Nuklearmaterial des Reaktors Atombomben bauen zu wollen und weltweit einer der größten Förderer von Terroristen zu sein. Der Iran braucht nach Schätzungen des US-Geheimdiensts CIA nur noch sieben Jahre bis zur Entwicklung nuklearer Sprengsätze. Zur Stromerzeugung benötige Teheran keine AKW, da das Land allein dreimal so viel Gas bei der Förderung abfackele wie Bushehr Strom liefern soll, heißt es im Pentagon. Washington ist zusätzlich verstimmt, weil Spionagesatelliten aufgedeckt haben sollen, dass Moskau moderne Raketentechnologie über Tarnfirmen in Armenien und Moldawien an den Iran geliefert habe.

Moskau hat mit Teheran noch nicht einmal verbindlich das Zurückschicken abgebrannten Atommaterials nach Russland vereinbart. Dies geht aus internen russischen Papieren an Putin hervor, die Greenpeace zugespielt worden waren. Dagegen erklärt das Atomministerium, alle internationalen Verträge zur Nichtweiterverbreitung von Nuklearmaterial würden eingehalten.

Quelle: Handelsblatt

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