Russlands Clubs locken die Stars mit Dollar-Millionen
Der „goldene Osten“ läuft NHL den Rang ab

Privatjets, Luxuswohnungen, Traumgagen - zwölf Jahre nach Glasnost und Perestroika ist in Russland der Eishockey- Boom ausgebrochen. Die von der reichen Öl- und Metallindustrie unterstützte Eliteliga ist dabei, der nordamerikanischen Profiliga NHL den Rang abzulaufen.

HB/dpa MOSKAU. Neben vielen Stars aus aller Welt kehren auch russische Topspieler, die im vorigen Jahrzehnt in den "goldenen Westen" abwanderten, in ihre Heimat zurück, wo Jahresgehälter von bis zu einer Million US-Dollar zu verdienen sind. Insolvenz oder Schulden sind bei den 18 Club Fremdwörter. Mit 191 Mill. $ ist ihr Etatvolumen für die laufende Saison mehr als drei Mal so hoch wie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in der die 14 Vereine einen Umsatz von 60,3 Mill. ? eingeplant haben.

Der deutsche Nationalspieler Jan Benda, der seine zweite Saison bei AK Bars Kazan bestreitet, weiß die Annehmlichkeiten zu schätzen, die ihm in der Hauptstadt der autonomischen Republik Tatarstan geboten werden. Der mit einem Jahresbudget von 23 Mill. Dollar ausgestattete Club hat eigene Ölquellen, und die Mannschaft ist mit einem nagelneuen Privatjet unterwegs. "Wenn ich etwas brauche, dann muss ich nur anrufen. Dann kommt der Chauffeur und bringt es", berichtet Benda, "ich verdiene hier in einem Jahr so viel wie in drei Jahren in Deutschland." Der 30-Jährige kassiert ein Jahreshonorar von 400 000 $.

Mit den früheren NHL-Stars Wladimir Tsyplakow (Los Angeles Kings) und Walery Zelepukin (New Jersey Devils) hat sich Vizemeister Kazan verstärkt. Gefahr droht Titelverteidiger Lokomotive Jaroslawl, der von Russlands größter Lokomotivfabrik gesponsert wird, auch von Avangard Omsk (24 Mio Etat). Der Club in Westsibirien engagierte für 800 000 Dollar netto den ehemaligen tschechischen Weltmeistertrainer Ivan Hlinka und hat mit Maxim Shushinski den teuersten Spieler der Liga. Der Top-Scorer der Saison 2001/02 bekommt eine Million Dollar auf die Hand. Der Vereinspräsident, der auch Gouverneur der Region ist, und die Geldgeber aus der Erdölindustrie wollen nach Platz drei in der vorigen Saison unbedingt Meister werden.

Die Überraschungsmannschaft ist zur Zeit das Team von Severstal aus dem 250 Kilometer von Moskau entfernten Cheropowets. Der kanadische Torhüter Marcel Cousineau garantiert die Erfolge, die metallurgische Fabrik die Saläre. Auch der frühere Rote-Armee-Club ZSKA Moskau, der wie die berühmten Ortsrivalen Dynamo, Spartak und Krillja damals die besten Spieler an die NHL verlor und vor dem Abstieg stand, hat sich zurück gemeldet und die Herausforderung der Provinzclubs angenommen, deren Geldgeber mit dem Verkauf von Erdöl, Erdgas und Metallprodukten in den Westen Riesengewinne erzielen.

Bei ZSKA steht der inzwischen 70-jährige Wiktor Tichonow, der erfolgreichste Trainer der Welt, immer noch an der Bande. Auch Dynamo will an alte Glanzzeiten anknüpfen. Mit Viktor Gordiouk (Düsseldorf), Andrej Skopintsew (Augsburg), Sascha Holz (Füssen) und Rodrogo Lavins (Ratingen) stehen hier frühere Spieler deutscher Clubs unter Vertrag. Der ehemalige Trainer der Kölner Haie, Wladimir Wassilijew, führt bei Mechel Cheljabinsk das Kommando. Der Weißrusse Andrej Mezin, Spitzentorwart bei den Berlin Capitals, spielt beim Benda-Club Kazan für 500 000 Dollar im Jahr.

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