Russlands Coach zurückgetreten
"Rote Teufel" feiern Wiederauferstehung

Belgien feiert die Wiederauferstehung der "Roten Teufel". Nach dem 3:2 (1:0)-Sieg über Russland ziehen die Belgier erstmals seit 1994 wieder ins Achtelfinale ein. Russlands Coach Oleg Romantsew präsentiert sich unterdessen als schlechter Verlierer.

dpa SHIZUOKA. Wie ein angeschlagener Boxer sank Marc Wilmots zu Boden. Während seine Mitstreiter zusammen mit den Fans euphorisch die Wiederauferstehung der "Roten Teufel" feierten, lag der Kapitän der belgischen Nationalmannschaft völlig ausgepowert auf dem Rasen. Der 3:2 (1:0)-Sieg über Russland, mit dem sein Team eine Negativserie von zuletzt sieben sieglosen WM-Begegnungen beendete und erstmals seit 1994 wieder ins Achtelfinale einzog, hatte selbst den unermüdlichen Kämpfer geschafft.

Erst Minuten nach dem für viele unerwarteten Triumph präsentierte sich der Musterprofi des FC Schalke 04 wieder von seiner altbekannten Seite: "Wir haben die richtige Antwort auf dem Platz gegeben und sind dafür reich beschenkt worden. Jetzt dürfen wir gegen Brasilien spielen", sagte der Mittelfeldspieler in freudiger Erwartung des kommenden Gegners.

Einmal mehr präsentierte sich hingegen Russlands Coach Oleg Romantsew als schlechter Verlierer. Wie schon nach der 0:1-Schlappe gegen Gastgeber Japan blieb der russische Coach der obligatorischen Pressekonferenz fern. Stattdessen reichte er in einem Schreiben an den russischen Fußball-Verband seinen Rücktritt ein - und mit ihm quittierten auch alle Assistenztrainer ihren Dienst.

Wirklich nichts hatte im Vorfeld der Partie auf ein Happy End für die in den letzten Jahren erfolglosen Belgier hingedeutet. Noch am Mittwoch war mehr über eine angebliche Spielerrevolte gegen den umstrittenen Coach Robert Waseige und den Medienboykott der Spieler als über den Showdown in der Gruppe H geredet worden. Doch Wilmots & Co. straften alle Kritiker Lügen und zogen am Ende verdient in das Achtelfinale gegen den Rekord-Weltmeister am Montag in Kobe ein. Vor allem der zuletzt als Krisenmanager gefragte Verbandspräsident Jan Peeters genoss den Moment: "Da war ein neuer Geist in der Mannschaft. Man hat gemerkt, dass sie es ihren Kritikern zeigen wollte."

Die beiden von Peeters an den Vortagen einberufenen Krisensitzungen zeigten Wirkung: Anders als bei den letzten Groß- Turnieren ergaben sich die Belgier nicht ohne Widerstand ihrem Schicksal, sondern nahmen vor 46 640 Zuschauern in Shizuoka das Heft des Handels in die Hand. Dank der Tore von Johan Walem (7.), Wesley Sonck (78.) und Wilmots (82.) stand am Ende der erste WM-Sieg seit dem 1:0 über die Niederlande am 25. Juni 1994 in Orlando zu Buche.

Auch der zwischenzeitliche Ausgleich der Russen durch "Chancentod" Wladimir Bestschastnich (52.) und das späte Anschlusstor von Dmitri Sitschew (88.) konnte den WM-Vierten von 1986 nicht aus dem Konzept bringen, dessen Keeper Geert de Vlieger laut Medienberichten beim Bundesligisten VfL Wolfsburg als Neuzugang im Gespräch ist. "Wir haben bewiesen, dass wir zu den ersten 16 Teams auf der Welt gehören", frohlockte Nico van Kerckhoven, der sich nun wie sein Schalker Vereinskollege Wilmots auf das Duell mit dem hohen Favoriten aus Südamerika freut. "Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung."

Wie so oft trat Wilmots nicht nur als Torschütze, sondern auch als unermüdlicher Antreiber in Erscheinung. "Viele haben nicht an uns geglaubt, aber wir waren nie weg", sagte der 33-Jährige mit Bezug auf die kritische Berichterstattung in den heimischen Medien und machte sich erneut für den umstrittenen Waseige stark: "Dieser Sieg ist wichtig für den Trainer, für die Mannschaft und für den belgischen Fußball."

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