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Russlands «neuer roter Platz» liegt in Paris

Paris (dpa) - Das erste russische Grand-Slam-Endspiel der Tennis-Geschichte wird zur Bewährungsprobe für eine lange Freundschaft. Wenn Jelena Dementjewa und Anastasia Myskina die Wahl hätten, würden sie sich bei den French Open in Paris Silberpokal und Siegerscheck teilen.

Paris (dpa) - Das erste russische Grand-Slam-Endspiel der Tennis-Geschichte wird zur Bewährungsprobe für eine lange Freundschaft. Wenn Jelena Dementjewa und Anastasia Myskina die Wahl hätten, würden sie sich bei den French Open in Paris Silberpokal und Siegerscheck teilen.

«Wir sind gute Freundinnen, und ich hoffe, wir bleiben es», sagte Anastasia Myskina mit einem Lächeln. Die beiden stolzen Moskauerinnen, die in die Fußstapfen der früheren French-Open-Finalistinnen aus dem Sowjetreich, Olga Morozowa (1974) und Natascha Zwerewa (1988), getreten sind, verbindet viel. Sie sind beide 22 Jahre alt. Schon als Sechsjährige schlugen sie im Spartak-Tennisclub gemeinsam die Bälle über das Netz. Rausa Islanowa, die Mutter von Marat Safin, lehrte sie das Tennis-Abc. «Wir spielen auch gemeinsam Doppel. Wir kennen uns in- und auswendig», sagte Jelena Dementjewa.

Der Durchbruch für die aufstrebende Tennis-Nation war nur eine Frage der Zeit. Russland hat sechs Spielerinnen in den Top 20 der Weltrangliste. Myskina, die in Paris Venus Williams und Jennifer Capriati besiegte, wird nach den French Open die neue Nummer drei. Dementjewa, die im Viertelfinale Publikumsliebling Amelie Mauresmo ausschaltete, rückt auf Position sechs vor. «Russische Revolution», schrieb die französische Sportzeitung «L'Equipe» und in Anlehnung an den roten Sand von Roland Garros und die Herkunft der beiden Finalistinnen: «Ein neuer roter Platz».

Jens Gerlach, der deutsche Trainer von Anastasia Myskina weiß: «In Russland boomt Tennis. Das ist wie bei uns in den 80er Jahren mit Becker und Graf. Die Eltern wollen, dass die Kinder Tennis spielen und tun alles dafür.» Der frühere Zweitliga-Spieler aus Stuttgart hat in Florida studiert, war dort erst Trainingspartner, dann Coach und Lebensgefährte der introvertierten Russin, jetzt ist er nur noch Trainer. Myskinas Matchbilanz gegen Dementjewa steht bei 3:3. «Das Finale wird im Kopf entschieden», meinte Gerlach.



Jelena Dementjewa wird seit Dezember 2003 von Olga Morozowa betreut. Die hübsche Blondine hatte früh Erfolg, gewann bei Olympia in Sydney die Silbermedaille und zog 2000 auch ins Halbfinale der US Open ein. Dann stagnierte sie in ihrer Entwicklung, und Mutter Wera suchte Rat bei Jelenas Kindheits-Idol. Morozowas Arbeit trug schnell Früchte. 30 Jahre nach ihrer Finalteilnahme in Paris sah sie mit Genugtuung, dass erstmals eine Grand-Slam-Trophäe nach Russland gehen wird: «30 Jahre sind eine lange Zeit, nun sollte es endlich jemand besser machen.»

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