Russlands Präsident will "Kandidaten der Stichwahl" empfangen
Putin akzeptiert offizielles Wahlergebnis in Jugoslawien

Russlands Präsident Wladimir Putin erkennt offenbar das von der amtlichen jugoslawischen Wahlkommission veröffentlichte Ergebnis der Präsidentenwahl an.

afp MOSKAU. In einem am Montag vom Kreml veröffentlichten Text erklärte Putin, er sei bereit, die "zwei Kandidaten der zweiten Wahlrunde", Präsident Slobodan Milosevic und Oppositionskandidat Vojislav Kostunica, zu empfangen, um einen Ausweg aus der Krise in Jugoslawien zu finden. Die Opposition in Belgrad und der Westen erkennen das offizielle Ergebnis nicht an.

Nach Zählung der Opposition erreichte Kostunica 52 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit. Eine Stichwahl wäre demnach überflüssig. In Belgrad zogen am Montagmittag 20.000 Demonstranten vor das Bundesstatistikamt, welches das offizielle Wahlergebnis veröffentlicht hatte. Mit dieser und weiteren Aktionen des zivilen Ungehorsams will die Belgrader Opposition erreichen, dass Milosevic den Sieg Kostunicas anerkennt.

Russland sei "sehr besorgt" angesichts der Entwicklung in Jugoslawien, hieß es in der vom Kreml veröffentlichten Erklärung weiter. Die seit dem Wahltag steigende Spannung drohe in eine direkte Konfrontation umzuschlagen, was unabsehbare Folgen haben könnte. Eine solche Entwicklung liege nicht im Interesse des jugoslawischen Volkes und schwäche die Stabilität auf dem Balkan und in ganz Europa. Als "aufrichtiger Freund" Jugoslawiens könne Russland in einem solchen Moment nicht untätig bleiben.

Putin hatte am Wochenende in Telefonaten mit US-Präsident Bill Clinton und Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Angaben aus Washington und Berlin noch zu erkennen gegeben, dass er Kostunica als Wahlsieger betrachte. Er hatte zudem angeboten, seinen Außenminister Igor Iwanow zur Vermittlung nach Belgrad zu schicken. Dies war von Milosevic allerdings abgewiesen worden. Auch Milosevics Bruder Borislav, jugoslawischer Botschafter in Moskau, sagte am Montag laut Interfax, die Situation erfordere keine Vermittlung Russlands.

Demonstrationen

In Belgrad hatten die Demonstranten am Vormittag mehrere Straßenkreuzungen blockiert. Busse, Straßenbahnen und Wagen der Müllabfuhr versperrten wichtige Verkehrsadern. Auch einige Taxis beteiligten sich an der Aktion. Am Mittag wurden die Verkehrsblockaden aber beendet. Nach Angaben von Oppositionsführer Zoran Djindjic war von Anfang an geplant, dass die Verkehrsblockade nur einige Stunden dauern sollte. In anderen Teilen Serbiens scheine jedoch alles still zu stehen. "Wir sind absolut zufrieden", sagte Djindjic, die Blockaden "haben das übertroffen, was wir für möglich gehalten haben". Die Kampagne des zivilen Ungehorsams könne am Mittwoch oder Donnerstag ihren Höhepunkt erreichen, "wenn Milosevic hartnäckig bleibt". In Pozarevac, der Geburtsstadt von Milosevic und seiner Ehefrau Mira Markovic, beteiligten sich etwa 3000 Schüler in Begleitung ihrer Lehrer an Protestaktionen.

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