RWE eröffnet Online-Börse
Strom zum Ersten, zum Zweiten ... und zum Dritten!

In zehn Jahren wird 20 Prozent des Stroms im Internet gehandelt, glaubt der Energiegigant RWE - und kündigt eine Strombörse im Internet an. Derweil haben die Stadtwerke im sächsischen Delitzsch ihren gesamten Strombedarf für 2001 über eine Internet-Auktion eingekauft. Es war die erste Auktion auf der neuen Businness-to-Business-Plattform der Leipziger Firma Kilowatthandel GmbH.

DÜSSELDORF. Im Internet lässt sich viel ersteigern. Doch wenig ist so problemlos wie Strom, sagt Christian Haase, Geschäftsführer der Kilowatthandel GmbH. "Denn Strom ist eben Strom, da gibt es keine Qualitätsunterschiede." Seine Firma hat die Auktionsplattform E-Power ins Netz gestellt, auf der live Strom versteigert wird. Dort deckten die Technischen Werke Delitzsch am Freitag mit 130 Millionen Kilowattstunden ihren gesamten Strombedarf für das nächste Jahr. Geliefert wird der Strom von der Hamburger Vasa Energy GmbH & Co. KG. Die Stadtwerke Delitzsch konnten durch die Auktion fünf Prozent einsparen.

Als Käufer auf der neuen Businness-to-Business-Plattform hat Haase mittelständische Unternehmen im Blick, große Hotels und Firmen mit eigenen Trafo-Stationen, also Kunden mit einem Jahresverbrauch von mindestens 500 000 Kilowattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Ein Haushalt verbraucht rund 3 000 Kilowattstunden jährlich. Verkäufer sollen die großen Konzerne sein: Eon, RWE oder die Hamburgischen Electricitätswerke (HEW).

Beide Seiten verpflichten sich vor Beginn der Auktion, das Geschäft zu den vorher vereinbarten Konditionen abzuschließen. Das heißt für den Käufer: Er gibt einen Höchstpreis pro Kilowattstunde und eine Menge an. Die Stromverkäufer verpflichten sich, die Energie auch wirklich zu liefern. Dann beginnt die Live Auktion zum vereinbarten Zeitpunkt. Sie dauert 15 Minuten, in denen die Stromverkäufer sich unterbieten können. Wer den günstigsten Preis macht, erhält den Zuschlag. Nach 15 Minuten fällt der virtuelle Hammer. Die ganze Auktion bleibt anonym.

Bislang ein Zuschussgeschäft

Die Vorteile für Käufer und Verkäufer: Es gibt keine Ausschreibungen, keine Vertragsverhandlungen - also geringere Transaktionskosten, sagt Haase. Die Kilowatthandel GmbH kassiert von Käufern und Verkäufern zwischen 0,35 und einem Prozent des Nettoumsatzes an Transaktionsgebühren. Die Versorger zahlen zusätzlich eine Lizenzgebühr von 5 000 Mark im Monat dafür, dass sie die Plattform nutzen können. "Wir rechnen für den Rest den Jahres mit einer Auktion alle zwei Wochen", sagt Haase. Bislang habe er vier Versorger unter Vertrag, will aber nur den Namen von einem nennen: Vasa Energy. Noch ist die Auktion ein Zuschussgeschäft. Gewinne will Haase im dritten Quartal nächsten Jahres erwirtschaften.

Der Strommarkt ist seit der Liberalisierung im April 1998 in Bewegung geraten. Im August nahm die Strombörse European Energy Exchange (EEX) in Frankfurt den Handel auf, Mitte Juli die Leipzig Power Exchange. Auf den beiden großen Strombörsen in Frankfurt und Leipzig treffen vor allem die Konzerne aufeinander, um große Strommengen auszutauschen. Ziel ist, die Leistungen ihrer Kraftwerke zu optimieren. So können die Konzerne für Spitzenzeiten Strom zukaufen.

Diesen Strombörsen will nun auch der Essener Energiekonzern RWE Konkurrenz machen. RWE wird am 25. September eine Strombörse im Internet starten, über die Großkunden kaufen und verkaufen können. Hans-Dieter Erfkemper, Chef der RWE Trading: "Wir rechnen bereits in der Anfangsphase mit einem monatlichen Handelsvolumen von rund 5 Mrd. Kilowattstunden." Kooperationspartner für die Online-Börse ist Houston-Street, eine Tochter der amerikanischen Bay Corp Holding, die in den USA Internetplattformen für Strom, Gas und Öl betreibt.

Auch Christian Haase von der Leipziger Kilowatthandel GmbH denkt bereits darüber nach, "in Zukunft Gas und Wasser im Internet zu versteigern".

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