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RWE setzt ab Juli das Internet unter Strom

Die Essener RWE AG geht am Montag als erster Energiekonzern mit dem so genannten Powerline-Zugang an den Start. Beschränkt zunächst auf Essen und Mülheim können RWE-Kunden über die Stromleitung im Internet surfen und Daten herunterladen.

Reuters DÜSSELDORF. Was vor vier Jahren noch als Vision galt wird jetzt wahr. Das Internet via Steckdose. Etwa 7000 Kunden in Essen und Mühlheim hätten bereits ihr Interesse angemeldet, sagte der Sprecher von RWE Powerline Andreas Preuss am Freitag in Essen. Die neue Technologie soll zügig in weiteren Städten eingeführt werden. Köln sei die nächste Stadt, hieß es in Firmenkreisen. Bis zum Jahresende sollen so 20.000 Kunden gewonnen werden, bis Ende 2002 nochmals 100.000. Auch andere Energiekonzerne wie etwa die Düsseldorfer E.ON AG stehen mit der neuen Technologie in den Startlöchern und wollen so zur Deutschen Telekom in Konkurrenz treten.

In den nächsten drei Jahren strebt RWE Powerline, eine Tochter der RWE Plus AG, laut Preuss einen Marktanteil im RWE-Versorgungsnetz von zehn Prozent an. "Wir können praktisch drei Millionen Kunden erreichen". RWE verspricht den Nutzern mit dem neuen Produkt "RWE PowerNet" Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu zwei Megabit pro Sekunde, was 30-mal schneller als ein ISDN-Anschluss und drei mal schneller als der Breitbandzugang DSL wäre. Das Herunterladen einer vier Megabyte großen Datei würde somit nur etwa 20 Sekunden dauern.

Experten erwarten, dass die Geschwindigkeit auf Normalmaß sinkt, wenn mehrere Kunden die Stromleitung nutzen. Angesichts der eher geringen Zahl von Nutzern je Stromleitung sei kein übermäßiger Leistungsabfall zu erwarten, sagte Preuss. Etwa 150 Haushalte nutzten eine Stromleitung. Sollten wie angestrebt davon zehn Prozent also 15 Kunden am Netz sein, wäre der Geschwindigkeitsabfall zu vernachlässigen, führte Preuss aus. Darüber hinaus arbeite der RWE-Ausrüster, die schweizer Ascom Powerline Communication AG, an einem leistungsstärkeren Adapter. Mit vier Tarifen zwischen 49 und 249 Mark will RWE Powerline dem unterschiedlichen Nutzungsverhalten gerecht werden. Der erforderliche Adapter kostet zwischen 199 und 349 Mark. Ein TDSL-Anschluss der Deutschen Telekom kostet zum Vergleich etwa 65 Mark monatlich. Das für Internetfreaks eher lästige An- und Abmelden entfällt bei RWE, da die Leitung kostenfrei permanent aufrechterhalten werden kann. Gebühren für die Nutzer fallen erst an, wenn Daten tatsächlich transportiert werden.

Die E.ON AG will mit ihrer im vergangenen Jahr gegründeten Tochter Online AG in das neue Geschäftsfeld vordringen. Hier setzt man aber auf Joint Venture mit anderen Versorgern. Ein erstes Pilotprojekt sei jetzt mit dem norddeutschen Regionalversorger Avacon AG an den Start gegangen. In 400 Haushalten in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt soll die Technik und Akzeptanz des neuen Produktes getestet und dann womöglich flächendeckend eingeführt werden.

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