RWE Solutions will Energiekosten einer britischen Supermarkt-Kette senken
Energieversorger setzen auf Outsourcing

Der Trend zum Outsourcing ist ungebrochen. Aufgaben, die nicht zu den Kernkompetenzen gehören, werden an Dienstleister ausgelagert. Inzwischen gilt dies auch zunehmend für Energieprozesse im produzierenden Gewerbe.

DÜSSELDORF. Energieversorger bieten Produkte und Dienstleistungen an, die weit über die Lieferung von Strom, Gas und Wasser hinausgehen. Gerade in energieintensiven Branchen soll das so genannte Infrastruktur- Management die Kosten senken und für höchstmögliche Ver- und Entsorgungssicherheit sorgen.

"Infrastruktur-Management ist ein Wachstumsbereich mit großen Chancen", sagt Michael Stadler, Vorstand der RWE Solutions AG. Da die Produzenten in den Kernprozessen kaum noch Einsparungen erzielen könnten, würden sie sich nun verstärkt dem Energiemanagement zuwenden und über Auslagerungen nachdenken, begründet Stadler.

Besonders interessant sei das Thema für die energieintensiven Branchen Chemie und Metall. Bis zu 30 Prozent können hier die Energiekosten an den gesamten Produktionsaufwendungen betragen. Mit einem Verbrauch von 279 bzw. 273 Terawattstunden pro Jahr entfällt gut die Hälfte des industriellen Bedarfs in Deutschland auf diese beiden Industriezweige. Mit Hilfe externer Energieservices könnten die Kosten gesenkt werden, argumentieren Anbieter wie RWE. Die Energiedienstleister betreiben vor Ort Kundenkraftwerke, beliefern Abnehmer mit Strom, Gas, Dampf, Druckluft und Wasser oder übernehmen den Betrieb der Energieanlagen.

Auch die Papier-, Automobil- und Lebensmittelindustrie zählt Stadler zu den Zielgruppen. Ein jährliches Wachstum von 25 bis 30 Prozent im Infrastrukturmanagement will er realisieren. In 2002 dürfte der Umsatz von RWE Solutions in diesem Geschäftsfeld ein Volumen von 100 Millionen Euro erreicht haben.

Wie das Infrastruktur-Management aussehen kann, lässt sich derzeit am besten in Großbritannien beobachten, weil dort die Energiemärkte schon sehr früh liberalisiert wurden. Ein beispielhaftes Engagement: die Partnerschaft der in London ansässigen RWE Solutions UK Ltd mit dem führenden britischen Einzelhändler Sainsbury s. Seit vergangenem Mai versucht der Energiedienstleister, das Energiemanagement in den rund 470 Märkten und 12 Distributionszentren von Sainsbury s zu optimieren.

RWE Solutions will Projekte zur effizienten Energienutzung identifizieren, in der Praxis testen und anschließend in Sainsbury s-Märkten implementieren. Das erklärte Ziel: Binnen vier Jahren soll der Energieverbrauch des Unternehmens um 12 Prozent sinken. Auch Ziele zur Emissionssenkung wurden definiert. Das Agreement ist gekoppelt an einen Energieversorgungsvertrag, wonach das RWE-Unternehmen Innogy alle Sainsbury s-Standorte mit Strom und Gas für vier Jahre zu einem Festpreis beliefert.

Für Investitionen in Energieeinsparungen, die von RWE Solutions evaluiert wurden, hat Sainsbury s insgesamt 23,5 Millionen Euro bereitgestellt. An finanziellen Einsparungen wird auch RWE Solutions beteiligt.

Dieses "Shared Saving" soll helfen, weitere Kostensenkungspotenziale in den Märkten und Distributionszentren zu ermitteln. Die Projekte werden durch das RWE Solutions-Team bewertet und anschließend in Pilotversuchen in einigen Verkaufsmärkten getestet. Sobald eine Machbarkeitsstudie die positiven Effekte nachweist, wird das Vorhaben in einer Reihe von Märkten umgesetzt.

Die Projekte klingen für sich genommen nicht weltbewegend: Verbesserungen der Beleuchtung, Energiemanagement der Kühlung, Steuerung von Beleuchtung und Heizung im Eingangsbereich, Spannungsreduzierung und Nachtblenden über Kühltheken und-schränken. Doch auch Kleinvieh macht Mist: "Obwohl jedes einzelne Projekt an sich relativ klein ist, werden bei einer Realisierung im gesamten Portfolio erhebliche Spareffekte erzielt", sagt der Chef von RWE Solutions UK, Bill Fortescue.

Neben der effizienteren Energienutzung umfasst die Partnerschaft auch andere Utility-bezogene Bereiche: Die Kommunikationsinfrastruktur für das Facilities Management wird optimiert. Daneben kümmert sich RWE um Wasserversorgung und Entsorgung und installiert integrierte Anlagen zur Energieerzeugung in Verteilzentren.

RWE Solutions will das Konzept schon bald auf den deutschen Markt übertragen. Dazu haben die Frankfurter eine prozessorientierte Methode entwickelt, mit der sich die Energiekosten innerhalb der Produktionsprozesse genau analysieren und simulieren lassen.

Quelle: Handelsblatt vom 08.01.2003

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