RWE und Eon halten sich besser als der Dax – Experten empfehlen die Titel weiterhin
Energieaktien sorgen für Spannung im Depot

Die Aktien der Energieversorger haben sich dem allgemeinen Abwärtstrend zwar nicht entzogen - aber verhältnismäßig gut behauptet. Das Geschäft mit Strom und Gas reagiert eben kaum auf Konjunkturzyklen.

DÜSSELDORF. Es ist eine Sache des Blickwinkels: Die anhaltende Talfahrt an den Aktienbörsen hat auch die Energieversorger nicht verschont, verglichen mit anderen Branchen fielen die Einbußen aber vergleichsweise gering aus. So verloren die deutschen Schwergewichte Eon und RWE seit Jahresbeginn zwar rund 20 Prozent beziehungsweise 26 Prozent an Wert ein, der Deutsche Aktienindex aber fast 40 Prozent. "Die Versorger haben den Gesamtmarkt zum Teil sehr deutlich geschlagen", sagt Matthias Heck, Analyst bei der Bank Santander, "die Titel sollten auch in absehbarer Zeit nicht im Depot fehlen".

Versorgeraktien sind klassisch defensive Werte - Aktien die auf Konjunkturschwankungen verhältnismäßig wenig reagieren. Der Energieverbrauch der privaten Haushalte ist weitgehend konstant, lediglich die Nachfrage der Industriekunden schwankt je nach Wirtschaftslage. "Die Versorger gelten als sicherer Hafen", sagt Stephan Wulf von Sal. Oppenheim, "die derzeitige Unsicherheit an den Märkten kommt den Titeln zu gute". Die Tendenz habe sich sogar noch verstärkt, seit sich die ehemaligen Konglomerate auf das Kerngeschäft konzentrieren. "Randbereiche mit zyklischem Charakter werden zunehmend abgegeben", sagt Wulf. Allein Eon und RWE haben sich in den vergangenen Jahren von milliardenschweren Randbeteiligungen getrennt und im Energiegeschäft kräftig zugekauft.

Empfindlich reagieren die Energiekonzerne aber auf die politischen Rahmenbedingungen: Bei der Öffnung der Energiemärkte haben die Staaten ein unterschiedliches Tempo eingeschlagen - entsprechend verschieden sind die Wachstums- und Ertragsperspektiven. Die Folge: Ein globaler Trend wie beispielsweise in der Autobranche ist schwer auszumachen.

"Man muss stark auf die einzelnen Märkte schauen", sagt Analyst Heck, "in jedem Markt gibt es Besonderheiten". Die US-Versorger kämpfen mit einer hohen Schuldenlast, in Großbritannien rutschten die Großhandelspreise jüngst in den Keller, in Italien steht die Liberalisierung erst an, die spanischen Konzerne sind stark im krisengeplagten Lateinamerikaertreten. Zwar positionieren sich die Energiekonzerne zunehmend international - prägend für die Bilanzen ist aber natürlich der jeweilige Heimatmarkt.

Und der kommt Eon und RWE derzeit zu gute. Nach der Liberalisierung des Strommarktes vor vier Jahren waren die Strompreise durch die neuen Wettbewerber kräftig unter Druck geraten, inzwischen ziehen sie aber wieder an, die Renditen steigen. Hintergrund: Die Wechselrate insbesondere der Haushaltskunden ist verschwindend gering geblieben, die Großkonzerne haben sich aus dem knallharten Preiskampf verabschiedet. Wulf bezeichnet die deutschen Werte denn auch als "überdurchschnittlich". In den letzten Quartalsberichten konnten Eon und RWE die Gewinne kräftig steigern. "Mit Abschwächungen dürfte sich das so fortsetzen", schätzt Heck.

Einige Fragezeichen gibt es freilich. Bei Eon machte zuletzt die britische Tochter Powergen Sorgen. Das Unternehmen produziert mehr Strom als es absetzen kann. Eon handelte zwar und kaufte die britischen Aktivitäten des US-Konzerns TXU hinzu, um die Absatzbasis zu vergrößern. Ohne Folgen für die Eon-Bilanz dürfte Powergen aber nicht bleiben. "Wir rechnen mit Abschreibungen auf den Firmenwert", sagt Wulf, "im schlimmsten Fall in Milliardenhöhe".

Und natürlich die vor Gericht blockierte Übernahme der Ruhrgas: Durch die Bank herrscht bei den Analysten aber Zuversicht, dass die Fusion über die Bühne geht - unsicher sei lediglich wann, heißt es. "Das Risiko, dass die Übernahme scheitert, ist weitgehend im Kurs einkalkuliert", sagt Philip Bonhöffer von Merck Finck: "Wenn die Fusion abgeschlossen wird, dürfte das der Aktie einen Schub geben".

Bei RWE ist nach dem rasanten Akquisitionstempo der vergangenen Jahre die Integration der internationalen Zukäufe angesagt. "Einfach wird das nicht", sagt Bonhöffer. Mit der Berufung des ehemaligen Shell-Managers Harry Roels - ein internationaler Manager im deutschen Traditionskonzern - habe man aber ein Zeichen gesetzt, meint Bonhöffer.

Quelle: Handelsblatt

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