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RWE will ins britische Wassergeschäft einsteigen

Der Essener Energiekonzern RWE AG wird Industriekreisen zufolge den britischen Wasserversorger Thames Water plc für 4,1 Mrd. Pfund kaufen.

Reuters LONDON/ESSEN. Bei den Verhandlungen seien keine größeren Hindernisse mehr zu überwinden, hieß es am Mittwoch in London. Voraussichtlich am nächsten Montag werde das Ergebnis bekannt gegeben. Zuvor hatte Thames Water mitgeteilt, dem Unternehmen liege ein Übernahmeangebot vor. Darin werde für jede Aktie 12,15 Pfund geboten. Den Namen des Bieters nannte Thames Water nicht. Bei RWE hieß es bloß, man kommentiere keine Börsengerüchte.

Die Übernahme der Thames Water ist nach Angaben der Industriekreise für RWE ein wichtiger Schritt auf dem Weg, zu einem der führenden Mitspieler auf dem internationalen Wassermarkt zu werden. Wasser gehört neben Strom, Gas und Entsorgung zu den Kerngeschäftsfeldern im neuen RWE-Konzern. Die neue RWE, die aus der Fusion von RWE mit VEW entsteht, legt ihre Geschäfte zum 1. Oktober zusammen. RWE ist in Deutschland bereits mit seiner 22,5-prozentigen Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben im Wassergeschäft engagiert.

An der Londoner Börse verhalf die Nachricht von der Übernahmeofferte der Aktie von Thames Water zu einem Kurssprung. Am Nachmittag notierte sie dort mit 1156 Pence 26,34 % höher. Auch andere Wasserwerte zogen zum Teil kräftig an. "Das ist sehr gut für die Branche", kommentierte Simon Hawkins vom Investmenthaus UBS Warburg die Übernahmeofferte für Thames Water. Es sei an der Zeit, dass die Branche endlich in Bewegung komme. RWE-Aktien verloren dagegen im Frankfurter Xetra-Handel über vier Prozent und notierten um 17.30 Uhr nur noch bei 39,38 Euro. Händlern zufolge passte der Kauf von Thames Water durchaus zur Konzernstrategie. Doch befürchtet man im Börsenhandel, dass RWE zur Finanzierung der Transaktion sein Kapital erhöhen könnte, was zu einer Verwässerung der Aktie führen würde.

Regulierer haben keine Bedenken

Die britische Regulierungsbehörde für die Wasserwirtschaft (Ofwat) hätte nach Auskunft ihres Vorsitzenden Philip Fletcher keine Bedenken gegen den RWE-Einstieg im Land. Er berührte keine wichtigen Wettbewerbsfragen, da der Konzern bislang noch gar nicht am britischen Wassermarkt vertreten sei.

In der Versorgerbranche hieß es am Mittwoch weiter, der Aufsichtsrat von RWE werde sich auf seiner turnusmäßigen Sitzung am kommenden Freitag nicht nur mit der Feststellung des Jahresabschlusses für 1999/00 (zum 30. Juni) beschäftigen.

Vielmehr gehe es dann auch um die Zustimmung zum Kauf von Thames Water und um die Zukunft seiner Mineralölgesellschaft RWE-Dea. Nach Branchenspekulationen plant der RWE-Vorstand, die Dea in ein Joint Venture mit der britischen BP einzubringen. Beide wollen demnach ihr Tankstellengeschäft zusammenlegen und damit nahe an den Marktführer Aral heranrücken. Das Ölgeschäft gehört bei RWE nicht mehr zum Kerngeschäft.

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