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RWE will mit Dividendenstärke überzeugen

vwd DÜSSELDORF. Die Aussichten für den Essener Energiekonzern RWE für 2005 muten auf den ersten Blick paradox an: Die wichtigsten Baustellen hat der Vorstandsvorsitzende Harry Roels geschlossen, die Desinvestitionsliste ist weitgehend abgearbeitet, das operative Kerngeschäft zeigt sich unverändert stark. Dennoch empfiehlt kaum eine Bank die RWE-Aktie zum Kauf - im Gegensatz zu den Papieren des Düsseldorfer Konkurrenten E.ON. Nach den deutlichen Kurssteigerungen in diesem Jahr prognostizieren die meisten Analysten für 2005 erst einmal eine Konsolidierungsphase. RWE selbst will Anleger mit attraktiven Dividenden locken.

Die Stammaktie von RWE war von Anfang Januar bis Anfang November immerhin von 29,51 Euro auf 43,50 Euro geklettert - ein Plus von satten 47 Prozent. Derzeit pendelt das Papier immerhin noch auf dem Niveau von 40 Euro. "Eine Wiederholung dieser Rally im nächsten Jahr ist kaum möglich", sagen jetzt Energie-Analysten. Ihr häufigstes Rating heißt daher im Moment: "Neutral".

Analysten bevorzugen zurzeit die E.ON-Aktie

Der Konzern habe in den vergangenen Monaten seine Hausaufgaben gemacht, lobt Stephan Wulf, Analyst bei Sal. Oppenheim. Aber das Unternehmen biete dadurch auch "kein großes Überraschungspotenzial" mehr. 2005 werde es zudem keine Sondereffekte mehr in der Bilanz geben. Wulf empfiehlt daher - wie viele seiner Kollegen - derzeit eher die E.ON-Aktie zum Kauf. Denn bei dem wichtigsten Wettbewerber von RWE stehen mit der Abgabe von Viterra und weiterer Degussa-Aktien noch größere Desinvestitionen bevor. Zudem: Geld für eine weitere Expansion ist in Düsseldorf eher vorhanden als in Essen.

Die größten Unsicherheiten für das operative Strom- und Gasgeschäft von RWE gehen nach Ansicht von Analysten 2005 vom Start der Regulierung aus. Auch hier scheint die Situation eher paradox: Hauptbetroffener der künftigen Energieaufsicht müsste eigentlich die E.ON AG sein - auf Grund der starken Stellung ihrer Tochter Ruhrgas im deutschen Gasmarkt. In der Öffentlichkeit steht aber derzeit eher RWE als Leidtragender dar - auch wegen der eigenen Warnungen. Im November hatte Finanzvorstand Klaus Sturany offen eingeräumt, durch die Regulierung im kommenden Jahr eine deutliche Verschlechterung der Ertragslage zu erwarten.

Betriebsergebnis soll um mindestens 5 Prozent steigen

Mit zusätzlichen Kostensenkungen will RWE diese Belastungen zumindest teilweise wieder ausgleichen. Eine genauere Prognose für 2005 will das Unternehmen erst bei der Bilanzvorlage im Februar abgeben. Einige Ziele für das kommende Jahr sind jedoch auch aus dem Mittelfrist-Plan abzulesen: So hat der Vorstand ein durchschnittliches Plus beim Betriebsergebnis aus organischem Wachstum von mindestens 5 Prozent im Jahr angekündigt. Der ROCE (Return on Capital Employed - Ertrag aus investiertem Kapital) soll bis Ende 2005 bei 11 Prozent liegen. Und für die Dividende hat der Vorsitzende Roels als Ziel ausgegeben, eine durchschnittliche Steigerung um 15 Prozent pro Jahr zu schaffen.

RWE setzt auf Dividendenstärke

Für 2004 könnte dies eine Anhebung der Ausschüttung auf immerhin 1,45 Euro je Stammaktie bedeuten von zuletzt 1,25 Euro. "RWE wird auch in Zukunft einer der dividendenstärksten Werte im Dax sein", verspricht Roels den Aktionären. Dies könnte für RWE noch ein wichtiges Argument gegenüber Investoren werden - in einer Zeit, in der die Verbraucher gegen Preiserhöhungen Sturm laufen, der Konzern wegen seiner politischen Kontakte in Korruptionsnähe gerückt wird und Analysten kein großes Aufwärtspotenzial mehr sehen. Das wenig angreifbare operative Geschäft scheint vorerst deutlich in den Hintergrund gerückt zu sein.

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