RWE zögert mit Verkauf
Heidelberger Druck will sparen

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck will mit Hilfe eines 200 Mill. Euro schweren Sparprogramms weiterhin schwarze Zahlen schreiben. Wegen der anhaltenden Konjunkturflaute und gedämpfter Umsatzerwartungen kämen "alle Bereiche des Unternehmens" auf den Prüfstand, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Druckmaschinen AG, Bernhard Schreier, am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Heidelberg an.

HB HEIDELBERG. Dabei stellte Großaktionär RWE erstmals seinen Zeitplan in Frage, sich bis Ende 2003 von seinem 50-prozentigen Anteil zu trennen.

Die Sparmaßnahmen, an denen derzeit "mit Hochdruck" gearbeitet werde, sollten spätestens im kommenden Geschäftsjahr 2003/04 voll wirksam werden, sagte Schreier, der für das laufende Geschäftsjahr (31. März) trotz gesenkter Umsatzprognose "gute Gewinne" anstrebt.

Ein Personalabbau ist nach Angaben von Unternehmenssprecher Thomas Fichtl "zum heutigen Zeitpunkt" nicht geplant. Zudem gehe das Unternehmen davon aus, dass es ohne Kurzarbeit auskomme. Die konkreten Maßnahmen sollen mit den Halbjahreszahlen am 6. November vorgestellt werden.

Schreier bekräftigte die Erwartung, dass sich der Auftragseingang im zweiten Quartal verringern werde. Diese Verschlechterung im Vergleich zum ersten Quartal, in dem die Aufträge leicht angezogen hätten, sei zusammen mit dem "Umkippen des Stimmungsbarometers" der Grund gewesen, Anfang September die Umsatzerwartung für das laufenden Jahr zu korrigieren. Danach wird der Umsatz im Vorjahresvergleich um zehn Prozent zurückgehen (2002/02: Fünf Mrd. Euro). Noch im Juli hatte sich das Unternehmen zuversichtlich gezeigt, bei Umsatz und Jahresüberschuss "im Rahmen des Vorjahresniveaus" zu liegen.

"Das können wir guten Gewissens jetzt nicht mehr versprechen", sagte Schreier nach Mitteilung des Unternehmens. Aktuelle Studien zeigten die anhaltende Kundenzurückhaltung. Für die US-Druckindustrie erwarteten Experten einen Aufschwung nicht vor dem Jahr 2003. "Für uns bedeutet das einen zwei Jahre anhaltenden Stillstand in dem für uns wichtigsten Markt." Die Situation in Deutschland sei ähnlich. Für 2002 erwarte der Branchenverband Druck und Medien bei Produktion und Umsatz im Vorjahresvergleich rückläufige Werte, die Auslastung sei von 85 % auf 82 % gesunken. Das Unternehmen sei im Markt jedoch "hervorragend positioniert" und werde bei einem Anziehen der Wirtschaft "überproportional" profitieren, sagte Schreier.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres war das Betriebsergebnis des Druckmaschinenherstellers im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 21 Mill. Euro (Vorjahr: 45 Mill. Euro) eingebrochen. Die Erlöse sanken um knapp 13 % auf rund 930 Mill. Euro. Das Unternehmen musste einen Auftragsrückgang um 200 Mill. auf 1,1 Mrd. Euro hinnehmen. Für die Heidelberg-Gruppe arbeiten weltweit über 24 000 Beschäftigte.

Der RWE-Vorstandsvorsitzende Dietmar Kuhnt sagte auf der Hauptversammlung, angesichts der Konjunkturschwäche sei es fraglich, ob bis Ende 2003 der Zeitpunkt für eine Veräußerung der Anteile gekommen sei. Bei einem Verkauf müsse der Wert stimmen, wurde Kuhnt zitiert. Dies sei wegen der schwachen Konjunktur und des geringen Vertrauens der Verbraucher derzeit nicht sichergestellt. Deshalb gebe es momentan keinen Grund für eine Veräußerung. "Eine Trennung von den Heidelberger Druckmaschinen um jeden Preis ist nicht das Ziel."

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