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RWI fordert höhere Einkommensgrenze bei Minijobs für Arbeitslose

Wirtschaftsforscher haben zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit eine Erhöhung der Minijob-Verdienstgrenze speziell für Arbeitslose von 400 auf 800 Euro gefordert.

dpa-afx ESSEN. Wirtschaftsforscher haben zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit eine Erhöhung der Minijob-Verdienstgrenze speziell für Arbeitslose von 400 auf 800 Euro gefordert. Damit könnten 120 000 bis 240 000 Arbeitslose zurück in den ersten Arbeitsmarkt gebracht werden, teilte am Dienstag das Essener Forschungsinstitut RWI auf Grundlage einer repräsentativen Minijob-Studie mit. Die Rückkehr in feste Arbeitsverhältnisse sei über das Mittel Minijob bislang nur in geringem Umfang gelungen, sagte Projektleiter Michael Fertig. Dagegen gebe es Anzeichen, dass zuvor sozialversicherungspflicht ige Beschäftigungsverhältnisse in Minijobs umgewandelt worden seien.

Mit einer Verdoppelung auf 800 Euro erwarten die Essener Wirtschaftsforscher ein Umdenken bei den Betroffenen. Die meisten Minijobber würden die 400-Euro-Jobs allein als Nebenverdienstmöglichkeit nutzen. "Minijobs werden nur selten als Brücke in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis betrachtet", betonte Fertig.

7,9 Millionen Minijobs

Um die Brückenfunktion zu stärken, schlägt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung die Verdienst-Erweiterung vor. Es soll für Arbeitslose eingerichtet werden, die mindestens sechs Monate ohne festes Arbeitsverhältnis sind. Über eine Höchstdauer von zwei Jahren sollen sie bis zu 800 Euro auf der erweiterten Minijob-Basis verdienen können. Dabei werden Freibetragsgrenzen deutlich erhöht, um Anreize zu verstärken. Arbeitgeber sollen den "erweiterten Minijobber" bei entsprechender Eignung später in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Das Projekt soll auf Vorschlag des RWI fünf Jahre getestet werden.

Die Zahl der Minijobs beträgt derzeit 7,9 Millionen, davon 89 000 in Privathaushalten. "Das sind eine Million mehr als vor einem Jahr", sagte der Direktor der Bundesknappschaft, Ulrich Roppel. Seit Beginn der Reform im April 2003 habe sich die Zahl sogar verdoppelt. Roppel betonte, dass vorrangige Ziele der Reform erreicht worden seien: die Eindämmung von Schwarzarbeit in Privathaushalten und die Schaffung attraktiver Beschäftigungsmöglichkeiten im Niedriglohnsektor.

Der Studie zufolge üben 92 Prozent nur einen einzigen Minijob aus. Jeder Zweite verdient acht Euro oder mehr in der Stunde, allerdings in den neuen Bundesländer nur jeder Sechste. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 30 Stunden im Monat. Rund 16 Prozent gehen noch einer weiteren Arbeit nach, die Hälfte davon in Vollzeit. Das RWI hat für die Studie im Auftrag der Knappschaft 2 451 von Minijobbern ausgefüllte Fragebögen ausgewertet. Die Minijobzentrale ist der Knappschaft angegliedert.

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