Saban erwägt Angebot
Spannendes Rennen um Zukunft des DSF

Die Zukunft des Deutschen Sportfernsehens DSF ist noch offen. Beobachter gehen davon aus, dass der US-Milliardär Haim Saban ein Angebot für die Tochter der insolventen Kirch Media vorlegen wird.

MÜNCHEN. Daumen drücken und darauf hoffen, dass das eigene Team gewinnt. Das gilt normalerweise nur für die Zuschauer des DSF. In diesen Tagen jedoch hoffen auch die Mitarbeiter des Münchener Sportkanals, dass sie am Ende nicht als Verlierer dastehen. Denn mehr als ein Jahr nach der Insolvenz ihres Eigentümers Kirch Media wissen die Fernsehmacher noch immer nicht, wie es mit ihrem Sender weiter geht. Sicher: Ein Bieterkonsortium aus Karstadt-Quelle, EM.TV und dem Geschäftsmann Hans-Dieter Cleven hat Mitte April den Zuschlag bekommen, das DSF zu übernehmen. Nur: Der amerikanische Milliardär Haim Saban hat immer noch das Recht, ein höheres Angebot vorzulegen und sich so den Sender zu sichern.

Münchener Medienkreise erwarten, dass der Medienunternehmer schon in Kürze eine eigene Offerte unterbreitet. Saban habe sogar schon Kontakt zu Mitarbeitern des DSF aufgebaut, hieß es am Freitag. Die endgültige Entscheidung über den Verkauf liegt beim Gläubigerausschuss, der sich in den nächsten Wochen treffen wird. Saban übernimmt aus der Konkursmasse von Kirch bereits die Senderkette Pro Sieben Sat 1 und die Filmbibliothek.

Trotz der ungeklärten Eigentümersituation ist das DSF derzeit so erfolgreich wie selten zuvor in seiner zehnjährigen Geschichte. Kommenden Mittwoch zeigt der Sender zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen live ein Spiel der Fußball- Champions-League. "Das ist eine riesige Motivation für die Redaktion", betont Chefredakteur Axel Balkausky. Bislang mussten sich die Münchener meist mit der Zweit- oder Drittverwertung von Sportereignissen zufrieden geben, weil dem chronisch defizitären Sender das Geld für die teuren Sportrechte gefehlt hat.

In jüngster Zeit sind die Preise für viele früher begehrte Sportrechte aber in den Keller gerutscht. Oder - wie im Fall Champions League - der Rechteinhaber hat mangels deutscher Beteiligung kein Interesse mehr an einer Übertragung. Weil die großen Sender abgewunken hatten, kam das DSF jüngst auch erstmals in den Genuss von Wintersport und wird Teile des Tennisturniers von Wimbledon zeigen. "Wir stehen von den Rechten her so gut da wie noch nie", sagt Balkausky. Selbst wirtschaftlich geht es dem DSF überraschend gut: Obwohl der Umsatz unter Vorjahr liege, habe die Firma in den ersten vier Monaten ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt, freut sich DSF-Chef Stefan Ziffzer. Zum Vergleich: Von Januar bis April 2002 sei noch ein Minus von rund fünf Mill. Euro aufgelaufen.

Dass die Unsicherheit an den Nerven zehrt, vermag beim DSF dennoch niemand zu verbergen. "Unser Spielraum ist natürlich enger geworden", unterstreicht Chefredakteur Balkausky. Und Marketing-Geschäftsführer Marcus Meyer klagt, dass zwar das übliche Werbegeschäft normal laufe. Langfristige Verträge abzuschließen sei dagegen schwierig.

Die DSF-Mannschaft wurde in den vergangenen Monaten stark reduziert: Statt 440 Leute wie in besseren Zeiten stehen jetzt nur noch 228 auf den Gehaltslisten. Das hängt freilich auch damit zusammen, dass früher viel mehr für andere Kirch-Sender wie Premiere und Sat 1 gearbeitet wurde.

Wer auch immer das DSF übernimmt: Mitarbeiter und Geschäftsführung sind fest davon überzeugt, dass der Sender weiter auf Sport setzt und nicht zum Einkaufskanal verkommt. Das hat auch persönliche Gründe, denn bei vielen DSF-Leuten geht die Bindung an den Sport über das übliche Maß hinaus: So ist DSF-Chef Ziffzer Chef des Oberliga-Eishockey-Clubs EHC Klostersee.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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