Sabena-Beschäftigte räumen Büros - Durchsuchungen der Justiz
Sabena meldet Konkurs an

Die belgische Fluggesellschaft Sabena wird am Mittwoch Konkurs anmelden. Dies entschied der Verwaltungsrat des Unternehmens am Dienstagabend nach Angaben seines Vorsitzenden Fred Chaffart. Alle Flüge wurden gestrichen. Die 12 000 Mitarbeiter bräuchten nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen, sagte Chaffart. Die Gesellschaft werde den Konkurs rasch anmelden.

dpa-afx/afp/ap BRÜSSEL. Der Verwaltungsratvorsitzende versprach, so viele Sabena-Mitarbeiter wie möglich sollten in einer neuen Aufgabe gerettet werden. Die Pläne für einen Neuaufbau des Unternehmens seien weit fortgeschritten, betonte Chaffart nach einer Krisensitzung in Brüssel. Sabena, eine der ältesten Airlines Europas, strich bis mindestens Mittwoch alle Flüge und schickte die Belegschaft der Konzernzentrale nach Hause. Der Schuldenberg des Unternehmens wird auf rund zwei Milliarden Euro taxiert. Sabena beschäftigt mehr als 12 000 Menschen, mittelbar hängen weitere rund 30 000 Stellen an dem Unternehmen.

Belgische Investoren, Geldinstitute und die Konkurrentin Virgin Express könnten mit helfen, einen Neuaufbau in "kleinerem, aber angemessenem Maßstab" um die Tochter-Airline DAT zu wagen, sagte Chaffart. Dabei wolle sich das Unternehmen auf das europäische Netz konzentrieren und möglicherweise auch rentable Langstrecken bedienen. Ein ähnliches Verfahren hatte die bisherige Sabena-Mutterfirma Swissair eingeschlagen, um dem Zusammenbruch zu entgehen.

"Ich weiß, wie hart dies für unsere Beschäftigten ist, aber wir dürfen nicht die Gelegenheit versäumen, in die Zukunft zu blicken", sagte Chaffart. Der für Privatisierung zuständige Minister Rik Daems erklärte: "Dies ist eine schlimme Entwicklung, aber als Regierung werden wir damit fertig werden so gut es geht."

Beschäftigte der Fluggesellschaft räumten bereits am Dienstag ihre Büros. Die Mitarbeiter seien per interner E-Mail aufgefordert worden, nur noch die laufenden Geschäfte abzuschließen, sagte eine Angestellte des Brüsseler Firmensitzes im öffentlichen Fernsehen RTBF. Die Türen blieben am Mittwoch "sicherlich geschlossen", betonte die Frau, die den Tränen nahe ihre persönliche Habe nach Hause trug.

Unterdessen wurde die Sabena-Zentrale auf Verlangen der Brüsseler Justiz durchsucht. Wie die Nachrichtenagentur Belga und das belgische Fernsehen berichteten, reagierten Beamte damit auf eine Klage eines Belegschaftsmitgliedes gegen die beiden Sabena-Großaktionäre - Swissair und den belgischen Staat - sowie die frühere Firmenspitze und einige Mitglieder des Sabena-Managements, darunter Firmenchef Christoph Müller.

Das Aus für die Sabena ist die größte Firmenpleite in Belgien. Die traditionsreiche Firma steckte bereits in der Krise, als Anfang Oktober ihr wichtigster industrieller Aktionär Swissair zusammenbrach. Der Flugbetrieb des Brüsseler Unternehmens, an dem der belgische Staat die Anteilsmehrheit hält, war nur mit einem Notkredit der Regierung aufrecht erhalten worden. Bis Ende November hatte Sabena Gläubigerschutz beantragt; am Donnerstag hätte die Firma vor Gericht aber einen Sanierungsplan vorlegen müssen.

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