Sabena-Flugzeuge blieben am dritten Tag in Folge am Boden.
EU billigt Finanzspritze für Sabena-Nachfolgegesellschaft

Für den geplanten Neustart der insolventen belgischen Fluggesellschaft Sabena hat die EU-Kommission eine wichtige Hürde aus dem Weg geräumt.

dpa BRÜSSEL. Die Sabena-Nachfolgegesellschaft DAT darf eine Finanzspritze der Regierung von 125 Mill. ? (244 Mill DM) nutzen, die bereits im Oktober für die inzwischen Konkurs gegangene Sabena gebilligt worden war. Dies hat EU- Kommissionspräsident Romano Prodi am Freitag erlaubt. Die Sabena- Flugzeuge blieben unterdessen am dritten Tag in Folge am Boden.

Die Delta Air Transport (DAT) ist bisher eine vollständige Tochter der Sabena. Sie soll Kern in einer neuen Fluggesellschaft mit dem Heimatflughafen Brüssel werden. Ein Berater des belgischen Finanzministers Didier Reynders sagte dem Rundfunksender RTBF, eine Nachfolgegesellschaft könnte bereits am Wochenende gegründet werden. Allerdings habe noch keiner der Investoren einen endgültigen Vertrag unterzeichnet. Belgiens Ministerpräsident Guy Verhofstadt hatte erklärt, 15 Investoren seien bereit, zur Gründung der neuen Gesellschaft 200 Mill. ? aufzubringen. Diese neue Gesellschaft soll «Air Belgium» heißen.

Rettungskredit mit Bedingungen

Für die Nutzung des staatlichen Rettungskredites sind mehrere Bedingungen einzuhalten. Unter anderem darf die Finanzspritze nur für laufende Ausgaben genutzt werden, nicht aber zur Kapitalisierung der Gesellschaft. Die Laufzeit beträgt höchstens drei Monate. Bis 17. Februar 2002 will die Kommission von der belgischen Regierung einen Restrukturierungsplan sehen. Einen entsprechenden Brief schickten Prodi und Verkehrskommissarin Loyola de Palacio an die belgische Regierung. Die Finanzspritze an die DAT war in der Nacht zum Freitag unter Hochdruck von der Kommission geprüft worden.

Am Brüsseler Flughafen sicherte die Polizei den Flugbetrieb mit Zugangskontrollen zu den Gebäuden ab. Bis zum späten Donnerstagabend hatten protestierende Beschäftigte der zahlungsunfähigen Sabena die Zollabfertigung blockiert. Es droht der Verlust von mindestens 5 000 der insgesamt 12 000 Jobs.

Flüge anderer Gesellschaften starteten am Freitag wieder ohne Behinderungen, berichtete der belgische Rundfunk. Manche Flüge wurden auf benachbarten Flughäfen - etwa Antwerpen - umgeleitet. Die Lufthansa hatte nach dem Sabena-Konkurs ihre Verbindungen nach Brüssel ausgeweitet.

Unterdessen wuchs die Kritik an Sabena-Chef Christoph Müller. Der Deutsche habe bei der Pleite gegangenen Fluggesellschaft wie ein Terminator gewirkt, rügten Personalvertreter. Ihm fehle das Charisma, um die geplante Nachfolgegesellschaft auf der Grundlage der Sabena- Tochter DAT auf die Beine zu stellen, hieß es. Die Wirtschaftszeitung «Financiel-Economische Tijd» schrieb am Freitag, die Ideen zum Neustart der DAT beruhten auf den gescheiterten Plänen für die Sabena.

Deutsche Beamte müssen auf der Strecke zwischen Berlin und Brüssel auf eine andere Fluglinie umsteigen. Die bisherige «Beamten-Shuttle»- Vereinbarung von Deutschland und der Sabena sei nun hinfällig geworden, berichteten Diplomaten. Während das bisherige Abkommen vergleichsweise günstige Ticketpreise für Flüge zwischen Brüssel- Zaventem und Berlin-Tempelhof vorsah, müssen nun Flugscheine einer anderen Linie zu normalen Konditionen gekauft werden. Für den Vertrag mit der Sabena habe es eine Ausschreibung gegeben.

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