Sachverständigen-Gruppe der UN
Mehr „Teamarbeit“ im Kampf gegen El Kaida gefordert

Dem Terrornetzwerk El Kaida kann nach Überzeugung von UN-Experten nur mit stärkerer internationaler Teamarbeit das Handwerk gelegt werden.

HB/dpa NEW YORK. Um den Kampf gegen die von Osama bin Laden gegründete Terrororganisation zu gewinnen, müsse die Staatengemeinschaft ihren politischen und wirtschaftlichen Druck erheblich verstärken, sagte der Terrorismusexperte Michael Chandler am Donnerstag in New York. Chandler leitet die Sachverständigen-Gruppe, die im Auftrag des UN-Sanktionsausschusses die Maßnahmen aller 191 UN-Mitgliedstaaten im Kampf gegen den Terrorismus überprüft.

Chandler hatte nach Auskunft aus diplomatischen Kreisen erst in der vergangenen Woche in Berlin mit deutschen Terrorismusexperten gesprochen. Deutschland ist auch eines jener 56 Länder, auf deren Daten der jetzt veröffentlichte Bericht über die gegenwärtige weltweite Terrorgefahr beruht. Dessen Schlussfolgerung ist, dass El- Kaida-Terroristen nach wie vor "eine erhebliche Gefahr für die internationale Sicherheit und den Frieden" sind.

Chandler warnte bei einer Pressekonferenz am UN-Hauptsitz, dass jüngste Erfolge den Kampf gegen El Kaida entschieden hätten. Zwar hätten die Festnahmen von Terroristen aus Bin Ladens "Kommandoteam" die Schlagkraft des Terrornetzwerks erheblich gemindert und den Fahndern wichtige Informationen über die Organisation geliefert. Außerdem sei es in der Folge gelungen, Terrorzellen in einigen Ländern aufzubrechen und El-Kaida-Helfer und-Sympathisanten zu stellen.

Auf der anderen Seite werde zunehmend klar, dass El Kaida und verbündete Gruppen eine "starke Anziehungskraft" auf moslemische Extremisten in aller Welt haben und über einen "substanziellen" Kader von ausgebildeten Terroristen verfügen. Aktivitäten in Algerien, Tschetschenien, Kenia und auf den Philippinen zeigten, dass die Terrorgruppen weiterhin Zugang zu Waffen und Sprengstoff hätten.

Die Anschläge von Riad und Casablanca, bei denen im Mai mehr als 70 Menschen getötet wurden, zeigten außerdem, dass die Terrorgruppen inzwischen nicht mehr davor zurückschrecken, gut bewachte Ziele anzugreifen. "Diese neue Dreistigkeit könnte eine Änderung der El- Kaida-Taktiken darstellen und ihre Entschlossenheit verdeutlichen, Ziele mit mehr internationaler Bedeutung zu verfolgen", heißt es in dem UN-Bericht.

El-Kaida-Zellen ist es dem Expertenbericht zufolge gelungen, das geheime Finanzierungssystem des internationalen Terrorismus teilweise aufrecht zu erhalten und zu modifizieren. Geld fließe El Kaida unter anderem aus dem illegalen Drogenhandel, dem Schmuggel von Zigaretten und organisiertem Betrug mit Kreditkarten zu.

Die Experten stellen fest, dass die nach den Terroranschlägen auf das Welthandelszentrum und das Pentagon am 11. September 2001 verhängten UN-Sanktionen gegen mutmaßliche Mitglieder und Helfershelfer von El Kaida vielfach wirkungslos geblieben sind. So sei es trotz der Sanktionen bisher nicht gelungen, mutmaßliche Mitglieder der El Kaida, die namentlich auf einer Verdächtigenliste der UN erfasst sind, beim Überschreiten internationaler Grenzen dingfest zu machen.

Viele dieser Personen seien offenbar reichhaltig mit falschen Pässen ausgestattet und könnten in verschiedene Identitäten schlüpfen. Zudem seien die von einzelnen Staaten übermittelten Personenangaben zu mutmaßlichen Terroristen nicht selten unkorrekt oder unvollständig. Von manchen Terror-Verdächtigen seien den UN lediglich einzelne Namen bekannt.

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