Sachverständigenrat: Ein Risiko, das wir so nicht gesehen haben
Teures Öl gefährdet Aufschwung

Die Eskalation in Israel und die Angst vor einem Krieg im Irak treiben den Ölpreis nach oben. Das könnte die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft durchkreuzen, fürchten Ökonomen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Die Ölpreise entwickeln sich zu einer ernsten Gefahr für den Aufschwung der Weltwirtschaft. Volkswirte warnen, dass die starke Verteuerung des Rohstoffs die konjunkturelle Erholung zunichte machen könnte. Seit Januar ist der Preis für ein 159-Liter-Fass der Ölsorte Brent von rund 18 auf mehr als 25 $ geklettert. Über Ostern sprang der Preis für ein Barrel, das im Mai geliefert wird, angesichts der Eskalation in Israel um 3,6 % auf 27,25 $. Falls die USA den Irak angreifen, könnte der Preis sogar über 30 $ klettern, fürchten Ökonomen. Die Investmentbank UBS Warburg nennt teures Öl eines der größten Risiken für den Aufschwung.

Die Ölpreise werfen Schatten auf die zuletzt deutlich aufgehellten Konjunkturperspektiven. Etliche Banken haben ihre Wachstumsprognosen erhöht und auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht deutliche Erholungstendenzen. Das liegt vor allem daran, dass sich die US-Wirtschaft schneller als befürchtet von den Terroranschlägen des 11. September erholt. Die Stimmung der Verbraucher ist hier so gut wie lange nicht mehr, selbst die krisengeschüttelte Informationstechnologie-Branche zeigt neuen Optimismus.

Auch in der Euro-Zone weisen Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Index deutlich nach oben. Selbst für Japan besteht vorsichtiger Optimismus. Und auch im Investment-Banking ist das Schlimmste offenbar vorüber: "Wir sehen bei unseren Kunden viel mehr Aktivität als noch vor sechs Monaten", sagte Morgan-Stanley-Chef Philip Purcell im Handelsblatt-Gespräch.

Teures Öl könnte nun jedoch all diese Hoffnungen durchkreuzen. "Ölpreise jenseits der 30-$-Grenze haben negative Auswirkungen auf die Konjunktur", sagte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller dem Handelsblatt. Verteuert sich Öl um 10 $, kostet das die Industriestaaten einen halben Prozentpunkt Wachstum, so die OECD - das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde also 2002 nur um 0,2 % wachsen. Schon heute liegt der Ölpreis über der oberen Grenze von 25 $, die der Sachverständigenrat (SVR) im Herbst seiner Prognose zu Grunde gelegt hat. Die IWF-Prognosen für 2002 und 2003 gehen gar nur von 20 $ aus. "Teures Öl ist ein Risiko, das wir so damals nicht gesehen haben", sagt SVR-Generalsekretär Jens Weidmann. Noch sieht er aber keinen Grund, von den vorausgesagten 0,7 % BIP-Plus abzurücken.

Auch die Bundesregierung hält an ihrer Prognose von etwa 0,75 % Wachstum fest. "Der momentane Ölpreis wird den beginnenden Aufschwung in Deutschland nicht bremsen", sagt Minister Müller. Es sei fraglich, ob sich der Preis länger auf dem aktuellen Niveau halte. Das stehe und falle mit dem Nahen Osten. "Schon heute enthalten die Preise eine Prämie wegen der Angst vor einem Irak-Krieg", sagt Manfred Horn, Öl-Experte des Deutschen Insituts für Wirtschaftsforschung. Entspanne sich die Lage, könne der Preis binnen Wochen auf 20 $ fallen", heißt es bei UBS Warburg.

Ölabhängige Unternehmen verlassen sich darauf nicht. Die Luftfrachtfirma Lufthansa Cargo etwa verlangt ab Mitte April einen Treibstoffzuschlag von fünf Cent je Kilogramm. Teures Öl bereitet vor allem kleineren Airlines Sorgen, denn Kerosin ist einer ihrer wichtigsten Einkaufposten. Die Großen der Branche sichern sich durch Termingeschäfte ab - teilweise für bis zu zwei Jahre.

Dauerhaft höhere Ölpreise träfen auch die Chemie-Industrie hart. Wegen Überkapazitäten könnten die Unternehmen höhere Preise kaum an die Kunden weitergeben. Damit kämen die Margen unter Druck, warnt Tobias Mock von der Hypo-Vereinsbank.

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