Saddam stützt sich auf jüngsten Sohn
Der Clan des orientalischen Stalinisten

Am 16. Juli 1979 betritt ein Trio den Palast des Präsidenten Hassan Al Bakr: "Wenn du freiwillig zurück trittst, wird dir nichts passieren", eröffnen ihm die drei. "Aber wenn wir aktiv werden, könnte es für dich sehr unangenehm werden." Einen Tag später tritt der Präsident Bakr zurück.

AMMAN. Zu seinem Nachfolger bestimmt er den Anführer des Besuchertrios: Saddam Hussein, schon länger der eigentlich starke Mann im Land. Begleitet wurde Saddam, so schildert es sein Biograph Con Coughlin, von seinem Cousin Adnan und seinem Onkel Khairallah Tulfah - ein Familiencoup.

Der irakische Diktator hat ein einzigartiges Herrschafts- und Unterdrückungssystem geschaffen, eine Art orientalischen Stalinismus, in dem traditionelle Stammes- und Familienloyalität und der Sicherheitsapparat eines modernen Staates ineinandergreifen. Fast alle wichtigen Positionen, vor allem in den Sicherheits- und Geheimdiensten, sind in der Hand von engsten Familienangehörigen oder Vertretern des Abu- Nasser-Stammes, zu dem Saddams Clan der Al-Bejat, gehört. Die Loyalität des Stammes, die auf beduinische Tugenden zurückgeht, garantiert größte Treue. So hat sich Saddam trotz verlorener Kriege und blutiger Aufstände an der Macht gehalten. Aber er ist stets misstrauisch geblieben, auch gegenüber dem engen Kreis, der ihn durch 22 Jahre Präsidentschaft begleitet hat. Innerhalb dieses Zirkels wurden die Machtposten - wie bei der Reise nach Jerusalem - immer wieder neu verteilt. Ein Spiel, das einige Familienmitglieder nicht überlebten.

Berichte über das Leben im inneren Kreis von Saddam Hussein sind selten wirklich verlässlich. Klar scheint aber, dass die beiden Söhne Udai und Kusai zu den wichtigsten Mitgliedern des Führungszirkels gehören. Da Udai auf jüngst gezeigten Fernsehbildern nicht mehr zu sehen ist, gibt es Spekulationen, wonach er bei einem US-Luftangriff getötet worden sein soll.

Udai lenkt wichtige Medien des Landes, unter anderem gehören ihm die Tageszeitung "Babel" und das Jugendfernsehen "Shabab". Darüber lanciert er schon mal Kampagnen gegen andere Führungsmitglieder. So trat Saddams Halbbruder Wahban nach Udai-Attacken als Innenminister zurück. Ein anderer Halbbruder Saddams, Barzan, war lange Chef des Geheimdienstes, steht aber in Tikrit unter Überwachung. Er soll Kontakte zu den Amerikanern und zur Exil-Opposition gehabt haben.

Mitte der 90er-Jahre versuchte Udai, Saddams Cousin Hussein Kamel von der Militärspitze zu verdrängen. Der floh daraufhin gemeinsam mit seinem Bruder Saddam Kamel 1995 nach Jordanien. Mit über die Grenze gingen die Saddam-Töchter Raghad und Rina. Saddam hatte sie mit den Cousins verheiratet: Hochzeiten sind Teil seiner Herrschaftsstrategie.

Das Ende des irakischen Regimes schien nach der Flucht der mächtigen Cousins nur noch eine Frage der Zeit. Aber Saddam schaffte es Anfang 1996, die abtrünnigen Familienmitglieder zurück zu holen. Wenig später ließ er Hussein und Saddam Kamel erschießen.

Udai machte sich lange vor allem als Playboy und brutaler Sadist einen Ruf. In seiner Garage hatte er zeitweise mehr als 60 Luxusautos stehen, im Nachtleben war er eine prominente Figur. Frauen wagten es oft nicht, dem für seine Brutalität bekannten Präsidentensohn einen Korb zu geben. 1988 ermordete er vor den Augen der Frau des ägyptischen Präsidenten, Suzanne Mubarak, den Vorkoster seines Vaters, Kamel Hannah Jajo. Aufgestachelt von seiner Mutter Sajida machte er ihn dafür verantwortlich, seinen Vater mit der Ehefrau des Leiters von Iraqi Airways verbandelt zu haben.

Saddams 1966 geborener Sohn Kusai stand lange im Schatten des extrovertierten Bruders. Doch heute stützt sich der Diktator hauptsächlich auf den disziplinierten jüngeren Sohn: Er ist eine der drei oder vier Personen, die direkten Zugang zum irakischen Präsidenten haben. Er überwacht die Republikanische Garde, leitet die Geheimdienste und wurde 2001 als stellvertretender Militärchef in die Führung der Baath Partei - eingesetzt. Kusai war bei allen Treffen zur Kriegsvorbereitung an der Seite seines Vaters zu sehen und ist für die Verteidigung Bagdads und Tikrits verantwortlich.

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