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Saddam wird irakischer Justiz überstelltDPA-Datum: 2004-06-30 08:01:29

Bagdad (dpa) - Zwei Tage nach der Machtübergabe im Irak wird heute der frühere Präsident Saddam Hussein formell der irakischen Justiz übergeben. Das Sondertribunal für die Aufarbeitung der Verbrechen des alten Regimes hatte am Vortag bereits Haftbefehle gegen ihn und elf seiner engsten Getreuen erlassen, die ebenfalls überstellt werden.

Bagdad (dpa) - Zwei Tage nach der Machtübergabe im Irak wird heute der frühere Präsident Saddam Hussein formell der irakischen Justiz übergeben. Das Sondertribunal für die Aufarbeitung der Verbrechen des alten Regimes hatte am Vortag bereits Haftbefehle gegen ihn und elf seiner engsten Getreuen erlassen, die ebenfalls überstellt werden.

Am Donnerstag soll Saddam nach den Worten von Übergangsministerpräsident Ijad Allawi dann erstmals einem irakischen Richter vorgeführt werden, der ihm die Anklageschrift verlesen wird.

Saddam wird seit seiner Gefangennahme am 13. Dezember vom US- Militär an einem geheimen Ort festgehalten. Der 67-Jährige soll auch weiter im «physischen Gewahrsam» der US-geführten multinationalen Streitmacht bleiben, weil das irakische Justizsystem derzeit nicht in der Lage sei, Gefangene wie Saddam sicher zu verwahren, sagte Allawi. Das Sondertribunal erließ am Dienstag nach eigenen Angaben unter anderem Haftbefehle gegen Saddams berüchtigten Cousin Ali Hassan el Madschid («Chemie-Ali»), gegen Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, den Außenpolitiker Tarik Asis und Ex-Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed.

Die Entführer von drei türkischen Zivilisten haben am Dienstag ihre Geiseln freigelassen. Das bestätigte der türkische Außenminister Abdullah Gül im Staatsfernsehen. Der arabische Nachrichtensender El Dschasira hatte zuvor ein Video der Entführer ausgestrahlt, die nach eigenen Angaben zur Terrorgruppe El Tawhid wa el Dschihad gehören. Darin bezeichnen die Kidnapper die Freilassung als Antwort auf die Aktionen der «Muslime und Gotteskrieger» in der Türkei - eine Anspielung auf die anti-amerikanischen Proteste türkischer Demonstranten am Sonntag während des NATO-Gipfels in Istanbul.

El Tawhid wa El Dschihad hatte zuvor im Irak eine amerikanische und eine südkoreanische Geisel enthauptet und dies auch den Türken angedroht. Nach Angaben El Dschasiras hat eine bislang unbekannte Extremistengruppe am Montag den US-Soldaten Keith Maupin durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet. Der 20-Jährige war im April entführt worden. Das US-Verteidigungsministerium konnte die Echtheit der Videoaufnahmen von der Ermordung zunächst nicht bestätigen.

Bei der Explosion einer Straßenbombe im Osten von Bagdad wurden am Dienstag drei US-«Marines» getötet und zwei verwundet, teilte eine Sprecherin des Militärkommandos mit. Im westlichen Bagdader Vorort Abu Ghoreib erlitten fünf Iraker zum Teil schwere Verletzungen, als Aufständische einen US-Konvoi angriffen. Aus dem dortigen Skandalgefängnis entließ die US-Armee am Dienstag nach Angaben von Augenzeugen weitere rund 350 Häftlinge.

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