Sächsisches Unternehmen konstruiert schadstoffarmen Flugzeugantrieb
Der Dieselmotor macht das Fliegen billiger

Der Dieselmotor setzt zum Höhenflug an: Die Thielert Aircraft Engines erhielt Anfang März die Zulassung, ihren Vierzylinder-Reihenmotor als Flugantrieb einzubauen. Kleine Flugzeuge sollen so Sprit sparend fliegen.

LICHTENSTEIN. Die Thielert Aircraft Engines (TAE) hat einen Dieselmotor entwickelt, der in Flugzeuge eingebaut werden kann. Der Antrieb ist die erste echte Neuentwicklung auf diesem Gebiet seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Motor der im sächsischen Lichtenstein ansässigen Firma läuft mit Diesel oder Kerosin und soll eine breitere und umweltfreundlichere Nutzung des Flugzeugs als Transportmittel ermöglichen.

Die Vorteile des Dieselmotors gegenüber dem Benziner sind aus der Automobiltechnik längst bekannt: Er ist robuster, hat eine höhere Lebensdauer und einen geringeren Verbrauch. Zudem ist der Treibstoff Diesel billiger. So sparsam wie auf der Straße soll der Dieselmotor auch in der Luft sein.

"Zwar haben einzelne Firmen, darunter auch Porsche, immer wieder Ansätze zu einem neuen Flugzeugmotor gemacht, doch bislang wurde nur die bestehende Technik immer wieder verbessert", sagt Richard Hecht, Chefverkäufer beim Flugzeughersteller Piper AG in Kassel. Mit dem von der Firma Thielert entwickelten Motor hätten die Flugzeugbauer endlich eine Alternative. "Mit dem sparsamen Motor kämen wir dann auf Reichweiten, von denen wir lange nur geträumt haben." Rein rechnerisch könnten die Maschinen mit dem Dieselmotor bis zu 15 Stunden in der Luft bleiben.

TAE-Firmenchef Frank Thielert ist sicher, dass der von seiner Firma konzipierte 1,7-Liter-Turbodiesel mit 110 PS die Kosten bei Hobby- und Geschäftsflugzeugen um bis zu 70 Prozent senken könnte - und das bei einem Anschaffungspreis von rund 38 000 Mark pro Aggregat. Bei 300 Flugstunden im Jahr amortisiere sich ein rund 60 000 DM teurer Umbau allein durch die Treibstoffkosten innerhalb von drei Jahren, so Thielert.



Hochverbleites Flugbenzin kostet pro Liter ungefähr 3,40 DM. Diesel hingegen ist ab einem Literpreis von 1,70 DM zu haben. Gleichzeitig verbraucht der neue Motor rund elf Liter Diesel pro Flugstunde - für die gleiche Leistung werden mindestens 30 Liter Kerosin gebraucht. Der neue Antrieb stößt zudem weniger Kohlendioxid und kein Blei aus und ist damit deutlich umweltfreundlicher als herkömmliche Aggregate.

Die TAE will vor allem die kleineren Flugzeuge von Geschäftsreisenden, Kurierdiensten oder Hobbypiloten umrüsten. Damit könnte die Fliegerei dann auch in Europa - wie in den USA längst üblich - zu einer ganz normalen Alternative für Transporte und Reisen werden.

Nachdem der Motor die Testflüge bestanden hat, erteilte das Luftfahrtbundesamt jüngst die Verkehrszulassung. Noch in diesem Jahr will TAE die ersten 20 Motoren ausliefern und dann die Produktion stetig herauffahren. Bis zum Jahr 2005 sollen insgesamt 3 500 Motoren produziert werden. Die Nachfrage sei so groß, dass die ersten Motoren nach strategischen Gesichtspunkten verkauft würden, sagt Thielert.

type="person" value="Thielert, Frank">Thielert hat Großkonzerne überholt

Bei der Entwicklung der Diesel-Flugmotoren war das sächsische Unternehmen nicht allein im Rennen: Auch Renault und der US-amerikanische Flugmotorenhersteller Continental - einer der Marktführer - arbeiten an dem sparsamen Antrieb. "Doch bislang konnten sie kein zertifiziertes Modell präsentieren", sagt Thielert, dessen Unternehmen sich bislang mit dem Bau von Prototypen- und Rennmotoren einen Namen gemacht hat. In dem Werk in Lichtenstein arbeiten nur ein paar Dutzend Ingenieure mit der modernsten Technik. "Jedes Bauteil wird dreidimensional am Computer konstruiert. Derselbe Server steuert später die Fertigung und übernimmt anschließend auch die Qualitätskontrolle", sagt Thielert.

Die große Herausforderung bei der Konstruktion lag im Motorgewicht. In der Fliegerei gilt die Faustformel: Pro Kilogramm Motorgewicht muss mindestens ein PS Leistung erbracht werden. Da Dieselmotoren relativ schwer sind, gelingt dies erst bei den Aggregaten der neuesten Generation - und zwar bei denen des Autobaus. Die Entwicklung eines neuen Automotors kann bis zu einer halben Milliarde Mark kosten. Da kein Unternehmen für den Neubau von Flugzeugmotoren wegen zu geringer Stückzahlen so viel Geld ausgibt, musste die Flugzeug-Branche auf den leistungsstarken Pkw-Diesel warten.

Allerdings kann man einen Automotor nicht einfach in ein Flugzeug einbauen. Der Antrieb braucht eine digitale Steuerung und ein komplettes Ersatzsystem. Zudem muss zum Beispiel auch das Getriebe gedämpft gelagert werden, damit keine gefährliche Rüttelei erzeugt wird. Welcher Autokonzern die Motoren herstellt, will Frank Thielert jedoch nicht verraten.

Die Ingenieure haben bereits neue Pläne. Sie wollen mehr Leistung pro Gewicht in den Himmel bringen: Vier-Liter-Motoren mit 310 PS sind angedacht. Thielert: "Unsere Technik lässt sich an andere Motoren anpassen."

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