"safe haven"
Analysten raten zum Kauf von Autostrade-Aktien

Wer über den Brenner Richtung Süden fährt, wird zwangsläufig Kunde der Società Autostrade SpA. Ebenso geht es allen, die auf der Gotthard-Strecke bei Como die Grenze überqueren. Wo Italien beginnt oder endet, versperren die alugrauen Maut-Stationen des größten europäischen Autobahnbetreibers die Fahrbahn.

HB MAILAND. Bis zum Jahr 2038 hat der italienische Staat der Gesellschaft das Recht gegeben, dort abzukassieren, und die Pflicht auferlegt, die Strecken in Schuss zu halten. Dieses Geschäftsmodell wird von Analysten als risikoarm bezeichnet, weshalb die Aktie als "safe haven" gilt.

Und da sichere Häfen in unsicheren Börsenzeiten äußerst beliebt sind, haben sich die Papiere von Autostrade in diesem Jahr rund 40 % besser entwickelt als der Mailänder Blue-Chip Index Mib 30. Beobachter glauben weiterhin an steigende Kurse: alle dem Handelsblatt vorliegenden Reports empfehlen die Aktie zum Kauf.

Aktuell verfügt Autostrade über Betreiber-Lizenzen für 3 120 Straßenkilometer – das sind 48 % des italienischen Autobahnnetzes. Vor wenigen Wochen sind weitere 280 Kilometer zwischen Rom und Pescara an der Adria-Küste hinzugekommen. Daneben besitzt Autostrade 32 % der vierten und kleinsten Mobilfunkgesellschaft Italiens, Blu. Von dieser Beteiligung will sich der Konzern trennen, was der Markt positiv bewertet. Durch den Verkauf könnten 300 – 500 Mill. € erlöst werden. Drittens schließlich verläuft entlang der Autobahnen eine 3 300 Kilometer lange Glasfaser-Infrastruktur (Backbone), die nach Ansicht der Analysten der Banca Akros einen Wert von 300 Mill. € hat. Mit diesen drei Aktivitäten plant das Unternehmen in diesem Jahr einen Umsatz von 2,19 Mrd. € zu machen und ein Nettoergebnis von 344 Mill. € zu erzielen. Beobachter sehen diese Einschätzung als realistisch an.

Drei Gründe für ein nachhaltiges Wachstum

Kontrolliert wird der Konzern von der Familie Benetton, die bekannt ist für ihre bunte Mode. Sie besitzt 60 % an einer Zwischenholding, die ihrerseits 30 % des Kapitals von Autostrade hält. Andere wichtige Anteilseigner sind die öffentlich-rechtliche Bankstiftung CRT (4 %) und der Stadtstaat Singapur (2 %). Der Streubesitz beträgt 68 %.

Nach Ansicht des Wertpapierhandelshauses Uniprof in Mailand sprechen drei Gründe für ein nachhaltiges Wachstum und eine positive Entwicklung der Aktie: erstens ist das italienische Autobahnnetz noch unterentwickelt und wird in den kommenden Jahren durch weit reichende Infrastrukturpläne der Regierung erweitert. Zweitens wird das Unternehmen nach und nach automatische Zahlungssysteme einführen und dadurch seine Personalkosten erheblich senken können. Drittens werden neue Tarife ab 2003 das heute noch niedrige Preisniveau auf europäische Standards anheben und der Gesellschaft steigende Erträge bescheren. Unterbewertet – lautet angesichts dieser Argumente die Bewertung der Aktie.

Ähnlich sieht das Giuseppe Marsella von der Banca Akros in Mailand. Angesichts der ambitionierten Ziele des Unternehmens und des geringen Risikos ist die Aktie für ihn ein klarer Kauf. Kursziel: 9 €. Ebenso lauten die Empfehlungen von UBS Warburg (Kursziel: 9,50 €), Rasfin, und der Banca Leonardo (8,2 €). Das schweizer Bankhaus Julius Baer stellt in ihrer Analyse das Wachstumspotenzial der Gebührenhöhe und des Verkehrsaufkommens in den Mittelpunkt. Urteil: "Buy". Die Ratingagentur Moody?s bewertet die Kreditwürdigkeit von Autostrade mit einem sehr soliden Aa2. Grund: das Geschäftsmodell sei robust, der Cash Flow gut vorhersehbar.

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