Sahara-Entführungen
Zweite Befreiungsaktion soll bevorstehen

Nach Ankunft der 17 in der Sahara befreiten Geiseln in Deutschland und Österreich gilt die Sorge den übrigen festgehaltenen Touristen. "Wir sind froh, dass der erste Teilerfolg erzielt worden ist. Wir sind in großer Sorge, was die zweite Gruppe von Geiseln betrifft", sagte Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog am Mittwochabend.

Hb/dpa DÜSSELDORF/ALGIER. Er wollte keine Einzelheiten nennen, um die Sicherheit der übrigen 15 Gefangenen nicht zu gefährden. Knapp drei Monate nach Beginn des Entführungsdramas hatte das algerische Militär 17 der 32 europäischen Touristen befreit. 10 der verbliebenen Geiseln sind Deutsche.

Nach einem Bericht des ZDF Morgen Magazins am Donnerstag sollen die Behörden in Algerien über den Verbleib der Geiseln Bescheid wissen. Ein Reporter sprach davon, sie könnten sich an der libyschen Grenze befinden. Das Auswärtige Amt in Berlin sagte, es gebe keinen neuen Stand seit Mittwochabend. Man wolle sich nicht weiter äußern.

Eine gewaltsame Befreiung der 15 noch in der Sahara verbleibenden Geiseln stehe kurz bevor wird in algerischen Pressemeldungen berichtet. "Ein Angriff scheint sich abzuzeichnen", schrieb die Tageszeitung "Le Quotidien d' Oran" am Donnerstag, die sich dabei auf Angaben eines Reiseveranstalters in Illizi im Süden des Landes berief. Die 15 verschleppten Touristen sollen in der Bergregion von Tamelrik etwa 150 Kilometer von Illizi gefangen gehalten werden.

Nach Worten des österreichischen Reiseleiters Gerhard Wintersteller waren die Terroristen mit ihren Geiseln ständig auf der Flucht. In einem Exklusiv-Interview mit dem RTL Nachtjournal sagte die befreite Geisel in der Nacht zum Donnerstag: "Es war so, dass von der Gefangennahme weg wir jeden Tag auf der Flucht waren, sind ohne Licht in der Nacht gefahren." Die Nachtmärsche hätten die Geiseln an das Ende ihrer "physischen Kräfte" gebracht.

Nicht äußern wollte sich Wintersteller zu den Umständen der Geiselhaft und der Befreiungsaktion, damit könnte er seinen 15 Leidensgenossen schaden, die immer noch in der Gewalt der Entführer waren. Nach seiner Ansicht handelte es sich bei den Geiselnehmern um islamistische Terroristen. "Sie beteten jeden Tag und erklärten uns, sie wollen den Gottesstaat in Algerien einführen, sie wollen die Regierung stürzen." Sie hätten Geld gefordert, "um sich Waffen zu besorgen", sagte er. Wintersteller war mit 7 anderen Österreichern am 22. März verschwunden.

Die Geiseln waren nach Angaben des algerischen Armee-Generalstabs in den Händen der islamistischen Terrorgruppe GSPC. Die weiterhin vermissten Sahara-Touristen befinden sich nach Angaben der Bundesregierung "in einer prekären Situation". "Ihr Leben und ihre Unversehrtheit zu sichern, darauf konzentrieren sich jetzt all unsere Bemühungen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Nach Ansicht des Terrorismus-Experten Rolf Tophoven sind die verbliebenen 15 Geiseln in "erheblicher Gefahr".

Unklar waren nach der Befreiung der Wüstenurlauber zunächst die Motive der Entführer. Nach dem Verschwinden der ersten Gruppe Ende Februar gab es immer wieder Spekulationen über die Hintergründe des Geiseldramas. Über Lösegelderpressung oder islamistischen Terrorismus wurde spekuliert.

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