"Sahnehäubchen" einer erfreulichen Tagesentwicklung
Nemax-50 gewinnt 12,67 Prozent

Die Wachstumswerte am Frankfurter Neuen Markt haben am Mittwoch ein regelrechtes Kursfeuerwerk erlebt, nachdem der Offenmarktausschuss der US-Notenbank überraschend die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 4,5 Prozent gesenkt hatte. Allerdings war dieses verspätete Osterei "nur noch" das Sahnehäubchen einer erfreulichen Tagesentwicklung.

dpa-afx FRANKFURT. Die Wachstumswerte hatten einen bemerkenswerten Start hingelegt und ihre Gewinne am Nachmittag ausgebaut, als die Nasdaq fest startete. Eine Gewinn- und Umsatzwarnung von Hewlett-Packard für das zweite Quartal ging nahezu unter. Der vollkommen unerwartete Zinsschritt in den USA - schon der vierte in diesem Jahr - schien die Anleger dann regelrecht zum Aktienkauf zu animieren: Bis zum Schlussgong gewann der Nemax-50 12,67 Prozent auf einen lange nicht erreichten Stand von 1 683,84 Punkten. Der All Share stand dem wenig nach und legte um 10,18 Prozent auf 1 793,68 Zähler zu. An der Nasdaq in New York ging es mit 9,69 Prozent auf 2.109,61 Punkte steil nach oben.

Auch die Quartalszahlen des weltgrößten Chipherstellers Intel hätten den Markt beflügelt, sagte ein Händler. Zwar seien sie hinter denen des letzten Jahres zurückgeblieben, hätten aber die Analystenschätzungen übertroffen. Und das erging nicht nur Intel so: Der Technologiekonzern Texas Instruments Inc beeindruckte den Markt mit einem höher als erwarteten Gewinn für das erste Quartal, der aber ebenfalls hinter dem Vorjahreswert zurückblieb. AOL Time Warner überbot die Analystenprognosen ebenfalls.

Unangefochten stärkster Wert war die Aktie des Software-Unternehmens Heyde, die um 93,84 % stieg und 4,09 Euro kostete. In der Spitze hatten Heyde bis auf 4,38 Euro gewonnen. Viele Kleinanleger hätten über Direktbanken in den Wert investiert, sagte ein Händler. Nicht zum ersten Mal seien Anleger auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, nachdem eine Aktie stark zugelegt habe. Nachdem die Aktie in der Vergangenheit abgestürzt sei, wurden von einigen Telefonhotlines Kursziele von bis zu 8 Euro ausgegeben.

Brokat legten um 57,97 % auf 10,90 Euro zu. Pandatel vervollständigten das Spitzentrio mit einem Plus von 38,98 % auf 20,50 Euro.

Der Handy-Ausrüster Balda hat im ersten Quartal ein Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 3,9 Mill. Euro erwirtschaftet - ein Plus von 47 %. Aufgrund des positiven ersten Quartals gehe das Unternehmen auch weiterhin von einem Umsatzziel von 236 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2001 aus, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Die Börse honorierte die Nachrichten mit einem Aufschlag von 25,41 % auf 19,00 Euro.

Lediglich zwei der Blue Chips des Neuen Marktes konnten von der branchenübergreifenden Aufwärtsbewegung nicht profitieren: Comroad wurden wieder einmal am meisten verprügelt. Die Aktie des Herstellers von Telematiksystemen fiel um 15,43 % und kostete nur noch 9,10 Euro. Seit einigen Tagen halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach Comroad unseriöse Geschäftsbeziehungen unterhalte.

Die Evotec Bio-Systems AG als zweiter großer Verlierer an der Börse hat ihren Vorstand umstrukturiert. Wie das Hamburger Biotechunternehmen am Mittwoch mitteilte, wird der bisherige Finanzvorstand Jörn Aldag zum 30. Juni zum Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden von Evotec aufsteigen. Für den frei werdenden Posten des Finanzchefs sucht das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit noch einen Nachfolger. Die Anteilsscheine des Biotechnologie-Unternehmens verloren 4,36 % auf 17,35 Euro.

Sunburst Merchandising musste bekannt geben, dass der Lizenzhändle r auf Grund drohender Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht in Osnabrück beantragt hat. Die Aktie verlor 36,09 % auf 0,85 Euro und war absolut schwächster All-Share-Wert. Der Vorstand der Sunburst AG beabsichtige jedoch, das Unternehmen unter Zuhilfenahme eines Insolvenzplanes fortzuführen, hieß es in einer Pflichtmitteilung.

Noch am Mittwoch hatte Sunburst mit einigen Banken über weitere Kredite verhandelt. Finanzvorstand Ralf Schwung hatte gesagt, dass es in den Gesprächen mit den Banken um einen niedrigen einstelligen Millionen-DM-Betrag gehe. Die bisherigen Bankverbindlichkeiten betrügen 40 Mill. DM, das Geld sei für Akquisitionen und Vorfinanzierungen von Lizenzen ausgegeben worden.

Ebenfalls schwach waren Jobpilot mit einem Verlust von 14,29 % auf 4,20 Euro. Noch am Gründonnerstag hatte die Online-Jobbörse Börsengeschichte geschrieben, weil der Wert zeitweise um mehr als 320 % zugelegt hatte - so viel wie kein anderes Unternehmen am Neuen Markt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%