SAIR-Aktie setzt Talfahrt fort
Schweizer Bundesrat will SAIR-Spitze Entlastung verweigern

Die Schweizer Regierung und der Regierungsrat des Kantons Zürich wollen dem Verwaltungsrat der SAIR-Group die Entlastung für das Jahr 2000 wegen der Milliardenverluste des Schweizer Luftfahrtkonzerns verweigern.

rtr ZÜRICH. Wie beide Regierungen am Donnerstag in einer Erklärung mitteilten, solle einzig dem neuen Verwaltungsratschef Mario Corti die Decharge erteilt werden. Zuvor hatten bereits die Regierungen der Kantone Genf und Waadt erklärt, sie würden sich ebenfalls nicht für eine Entlastung aussprechen. Sowohl die Schweizer als auch die Zürcher Regierung halten 3 % an SAIR-Group. Genf und Waadt verfügen über weniger als 1 % der Stimmen.

Die SAIR-Group hatte im vergangenen Jahr aufgrund von Verlusten mit Beteiligungen an Fluggesellschaften in Frankreich, Belgien und Deutschland sowie durch den hohen Treibstoffpreis einen Verlust von rund 3 Mrd. sfr erwirtschaftet. Die Schweizer Regierung erklärte, sie sei an einer umfassenden Klärung des SAir-Debakels interessiert. "Soweit der Verwaltungsrat keine befriedigende Auskunft auf die ihm schriftlich unterbreiteten Fragen erteilt, will der Bund eine Sonderprüfung verlangen", hiess es in der Erklärung. Konkret wolle der Bundesrat unter anderem Fragen im Zusammenhang mit Abgangsentschädigungen und Rechnungslegung geklärt haben.

Nach dem Abgang des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Eric Honegger wurde in den Medien von einer Abgangsentschädigung von 5 Mill. sfr gesprochen. Offen ist auch die Frage, wie hoch die Entschädigung für den Interims-Chef von SAIR-Lines Moritz Suter und den ehemaligen Konzernchef Philippe Bruggisser ausgefallen sind. Bruggisser wurde entlassen, nachdem der Konzern seine Strategie geändert hatte. Suter verliess die SAIR-Lines-Führung, nachdem ihm zu grosse Widerstände aus dem Management entgegen geschlagen waren.

Der Zürcher Regierungsrat will mit einem schriftlichen Fragenkatalog vor der Generalversammlung genaue Auskunft zu den Ursachen der Verluste des Luftfahrtkonzerns und den Verantwortlichkeiten. Falls die Antworten nicht befriedigend ausfallen, werde der Kanton Zürich eine Sonderprüfung verlangen oder einen Antrag auf Sonderprüfung unterstützen. Weiter wolle der Kanton auch prüfen, ob gegen die Organe der SAIR-Group eine Verantwortlichkeitsklage eingereicht werden soll.

An der Generalversammlung am 25. April werden sich auch andere unzufriedene Aktionäre melden. So verlangt der Winterthurer Anwalt Hans-Jacob Heitz, der eine Schutzvereinigung der SAIR-Group-Aktionäre ins Leben gerufen hat, ebenfalls eine Sonderprüfung. Zudem hat ein Züricher Anwalt eine Strafklage wegen unwahrer Angaben über eine Aktiengesellschaft und ungetreuer Geschäftsführung eingereicht. Auch die Betriebskommission der vom Konkurs bedrohten Air Littoral und ein Pilot der AOM haben gerichtliche Schritte angekündigt. Zudem klärt der Zürcher Bezirksanwalt Hans-Peter Hirt gegenwärtig ab, ob gegen die Verantwortlichen des SAIR-Debakels Anklage erhoben werden solle.

An der Schweizer Börse setzten die Aktien von SAIR-Group ihre Talfahrt fort und gaben 4,74 % oder 5,5 sfr auf 110,50 sfr nach. Zuvor hatten sie ein neues Rekordtief bei 108,50 sfr erreicht.

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