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SAir sucht Wege aus der Krise

Der Schweizer Luftfahrtkonzern will sich nach dem Rekordverlust 2000 von 2,9 Mrd. sfr eine einfachere Struktur geben und die Probleme mit den verlustbringenden Auslandsbeteiligungen so rasch wie möglich lösen. Zudem soll die auf 5,7 % geschrumpfte Eigenkapitalquote in den kommenden Jahr wieder auf ein gesundes Niveau gehoben werden, erklärte der vor rund zwei Wochen neu eingesetzte Konzernchef Mario Corti.

rtr ZÜRICH. Weiter will die Gruppe auch eine Annäherung an ein internationales Allianzsystem prüfen. Ob die Gewinnschwelle 2001 erreicht werden kann, liess Corti offen. Die ersten zwei Monate liegen aber im Budget, erklärte er.

Es waren vor allem die Auslandsbeteiligungen in Frankreich, Belgien und Deutschland, die der SAir ein Loch in die Kasse rissen. Air Liberte, AOM und Air Littoral, die nach Cortis Worten zuletzt 80 Mill. Franken pro Monat an Zuschüssen brauchten, generierten 2000 eine Verlust von 600 Mill. sfr. Bei Sabena beliefen sich die Verluste auf 325 Mill. ? und bei der LTU auf 224 Mill. ?. Wie Corti erklärte, solle Air Littoral "von heute an" keine Mittel mehr von der SAir erhalten. Über die Zukunft von AOM und Air Liberte solle bis zum 25. April, dem Tag der SAir-Generalversammlung, entschieden werden. Auch für Sabena solle bis im Sommer eine Lösung gefunden werden. Ein Verkauf der Gesellschaften ist somit nicht mehr ausgeschlossen.

Die ausländischen Beteiligungen hatte die SAirGroup noch unter ihrem alten Chef Philippe Bruggisser übernommen, der auf diesem Weg der Swissair langfristig die Selbständigkeit sichern wollte. Neben der Gründung der Qualiflyer-Group, der rund ein Dutzend Fluggesellschaften angehören, versuchte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit diesen Gesellschaften auch mit Finanzbeteiligungen zu stärken. Bruggissers Pläne wurden vom damaligen Verwaltungsrat gebilligt. Inzwischen haben praktisch alle Mitglieder dieses Gremiums ihren Rücktritt in zwei Raten angekündigt.

Aber auch mit ihren Schweizer Kern-Fluggesellschaften verdiente der Konzern kein Geld. Swissair, Crossair und Balair flogen infolge massiv gestiegener Treibstoffpreise in die roten Zahlen. Der EBIT-Verlust stieg auf insgesamt 240 Mill. sfr. Die Verluste bei Balair führen dazu, dass das Unternehmen ihre Langstrecken-Flugzeuge bei Swissair einbringt und die Kurzstrecken-Maschinen an die Crossair übergibt.

Positiv lief aber das Nicht-Fluggeschäft, das zum starken Umsatzwachstum der Gruppe von 25 % auf 16,299 Mrd. sfr beitrug. Ohne die Beteiligungen an den ausländischen Gesellschaften hätte die SAirGroup gar einen Betriebsgewinn (EBIT) von 603 Mill. sfr erzielt.

Insgesamt wurde die Konzernrechnung durch Kosten der Beteiligungen, Verluste auf Darlehen, Restrukturierungen und ähnliche Spezialfaktoren aber mit 3,725 Mrd. sfr belastet. Damit sollten bis auf weiteres aber alle erkennbaren Verpflichtungen berücksichtigt sein, sagte Corti. Darin seien auch die Verkaufs-Optionen einberechnet, deren Existenz längere Zeit nicht bekannt war. So muss die SAir sowohl in Frankreich als auch in Italien weitere Anteile an den Gesellschaften übernehmen, falls die Mitbesitzer sich zu einem Verkauf ihrer Aktien entschliessen sollten.

Die Verluste zehrten auch stark am Eigenkapital der Gruppe. Die Eigenkapitalquote betrug Ende 2000 noch 5,7 % nach 23,4 % vor Jahresfrist. Mittelfristig will Corti eine Eigenkapitalquote, die über dem Industriestandard von 30 bis 40 % liegt. In Zahlungsproblemen steckt die Gesellschaft aber nicht. "Die Liquidität der Gruppe ist gesichert, da sehe ich keine Probleme", sagte Corti. SAir stehe in Kontakt mit Grossbanken. Es werde ein Paket geschnürt, das eine sinnvolle Ergänzung zu den operativen Massnahmen darstelle. Bei den Banken handele es sich um UBS und CS Group aus der Schweiz, der Deutschen Bank und einer amerikanischen Bank, sagte Corti. Mit Blick auf die Zukunft erklärte Corti, in finanzieller Hinsicht müsse die SAir ihre Kapitalkosten selbst verdienen. Für die Fluglinien gelte, dass sie die Kapitalkosten decken müssten. Die flug-verwandten Bereiche müssten mehr als die Kapitalkosten hereinholen. Ein weiteres Ziel bestehe darin, die Gruppe radikal zu vereinfachen und mit nur zwei Einheiten zu arbeiten. Die gegenwärtige Struktur sei zu kompliziert und unübersichtlich. Auch der Name SAirGroup dürfte bald wieder verschwinden und der alte Name Swissair wieder für die ganze Gruppe eingeführt werden.

Weiter sieht die SAirGroup Kostensenkungen vor. Die Swissair-Piloten hätten sich bereits zu einer fünfprozentigen Lohnkürzung bereit erklärt. Diesem Beispiel könnten weitere folgen, erklärte Corti. Weiter steht auch der Verkauf der Hotelkette Swissotel, die von Experten auf 400 Mill. sfr geschätzt wird, an. Zudem sollen Immobilien über 700 Mill. sfr devestiert werden, erklärte er weiter. Ob das reicht, um noch in diesem Jahr in schwarze Zahlen zu kommen, liess Corti offen.

Offen liess Corti auch, ob sich die SAir eines Tages einer grösseren Allianz anschliessen werde. Schon seit längerem wurde immer wieder spekuliert, dass sich das Unternehmen der OneWorld-Allianz unter der Führung von Amercian Airlines und British Airways anschliessen könnte. Mit American Airlines arbeitet die SAirGroup bereits zusammen.

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