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SAirGroup besetzt Konzerspitze vorzeitig neu

Der von Finanz- und Führungsproblemen gebeutelte Schweizer Luftfahrtkonzern SAirGroup wechselt schneller als erwartet den Mann an der Konzernspitze aus.

Reuters ZÜRICH. Nach Firmenangaben vom Freitag wird Mario Corti, der frühere Finanzchef des Nestle-Konzerns, das Präsidium des Verwaltungsrates und zugleich als Delegierter des Verwaltungsrates die operative Führung des Konzerns übernehmen. Der 54-jährige Corti, seit April 2000 im Verwaltungsrat des Luftfahrtkonzerns, löst Eric Honegger ab, der ursprünglich bis zur Generalversammlung 2002 inm Amt bleiben wollte.

Seit der Entlassung von Konzernchef Philippe Bruggisser hatte Honegger das Amt des Verwaltungsratspräsidenten und des Konzernleiters in Personalunion ausgeübt. Letzte Woche kündigte der gesamte Verwaltungsrat mit Ausnahme Cortis seinen Rücktritt in zwei Raten bis zur Generalversammlung 2002 an.

Cortis Aufgabe wird es Beobachtern zufolge nun sein, einen neuen Konzernleiter zu finden. Auch das Amt des Leiters des Flugbetriebes ist noch vakant, nachdem Crossair-Chef Moritz Suter diese Stelle nach einem Kompetenzstreit, nach nur 40 Tagen wieder verlassen hatte. Corti ist kein Luftverkehrs- Fachmann, allerdings ausgebildeter Pilot auch für mehrmotorige Flugzeugte. In seiner Zeit vor Nestle war er bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und stand danach als Handelsdiplomat im Dienste der Bundesregierung.

Corti wird durch Airline-Spezialisten verstärkt

In der Finanzwelt geniesse Corti einen ausgezeichneten Ruf, erklärte ein Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Verwaltungsrat der SAirGroup müsse aber durch einen Airline-Spezialisten verstärkt werden.

Mit dem vorzeitigen Rücktritt reagierte Honegger auf die zunehmende öffentliche Kritik. Ihm und anderen langjährigen Verwaltungsratsmitgliedern wurde vorgeworfen, die von Konzernchef Bruggisser eingeleitete Expansionsstrategie zu lange mitgetragen zu haben und so die nunmehr schlechte Finanzlage des Luftfahrtkonzerns mit verschuldet zu haben.

Am 2. April will Corti auf der Jahresmedienkonferenz der SAirGroup umfassend informieren. Dann sollte auch klar werden, welche Verlusten die SAir im Jahr 2000 eingeflogen hat. In Schätzungen und Spekulationen werden Beträge von 700 Mill. bis 2,5 Mrd. sfr genannt, die SAirGroup im letzten Jahr verloren haben solle. Die endültige Höhe des Verlustes dürfte starke davon abhängen, wie hoch die Rückstellungen ausfallen, die der Konzern für den Ausstieg aus den zahlreichen Beteiligungen vornehmen muss. Die Hauptprobleme der SAirGroup sind die Beteiligung an der belgischen Sabena und an drei franzöischen Airlines, die sich finanziell als Fass ohne Boden erwiesen haben.

An der leichteren Schweizer Börse stiegen SAirGroup bis 10.45 Uhr bei hohen Umsätzen um 7,1 % auf 192,25 sfr.

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