Saisonbereinigter Anstieg
Arbeitsmarkt im Zeichen konjunktureller Schwäche

Nach einem Rückgang im März ist die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit in Deutschland im April nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit mit einem Plus von 6000 wieder gestiegen. Unbereinigt ging die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum März um 132 000 auf 4,024 Mill. zurück.

ap NÜRNBERG. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat trotz der traditionellen Frühjahrsbelebung den höchsten Aprilstand seit drei Jahren erreicht. Zwar verringerte sich die Zahl der Menschen ohne Job im April gegenüber dem Vormonat um 132 000 auf 4,024 Millionen. Im Vergleich zum April 2001 lag die Zahl der Erwerbslosen aber um 156 100. Der neue Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, machte dafür am Dienstag die konjunkturelle Schwäche verantwortlich.

"Der Rückgang im April ist vor allem jahreszeitlich bedingt", sagte Gerster in Nürnberg. Der beginnende wirtschaftliche Aufschwung werde sich "frühestens in einigen Monaten" auf dem Arbeitsmarkt auswirken. Bis in die Ferienzeit hinein werde die Erwerbslosigkeit "in sechsstelligen Schritten" abnehmen. Für das Jahr 2002 rechnet Gerster weiter mit durchschnittlich zwischen 3,9 und vier Millionen Arbeitslosen.

Die Arbeitslosenquote sank im April auf 9,7 Prozent gegenüber 10,0 Prozent im Vormonat. In Westdeutschland waren 2,603 Millionen Menschen ohne Beschäftigung (minus 79.800), in Ostdeutschland 1,421 Millionen (minus 52 100). Die Quote war im Westen mit 7,8 Prozent noch nicht einmal halb so hoch wie im Osten, wo sie 18,1 Prozent betrug.

Saisonbereinigt habe sich die Arbeitslosigkeit mit einer Zunahme um 6 000 ähnlich stark erhöht wie im Durchschnitt der Monate September 2001 bis Februar 2002, sagte Gerster weiter. Den nicht um jahreszeitliche Einflüsse bereinigten Rückgang der Arbeitslosigkeit führte Gerster unter anderem auf 47 100 Existenzgründer zurück, die aus der Arbeitslosenstatistik herausgefallen seien.

Dass der Zugang an offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr in den letzten drei Monaten um 26 Prozent auf 825 800 abnahm, sei nicht allein auf die konjunkturelle Eintrübung zurückzuführen, sagte Gerster weiter. Dies spiegele auch die Überprüfung der Vermittlungsstatistik wider.

Er warnte zugleich davor, die Zweckmäßigkeit der Vermittlungsgutscheine anzuzweifeln, auch wenn von den knapp 25 000 ausgegebenen Schecks bisher nur wenige eingelöst worden seien. Gerster sprach von einem erforderlichen "Vorlauf". Zugleich gestand er aber ein, dass die Arbeitsämter noch sehr zurückhaltend auf private Vermittler hinwiesen.

Gerster für Ausweitung der Marketing-Maßnahmen

Im Zusammenhang mit einer von ihm angestrebten Namensänderung der Bundesanstalt in eine "Bundesagentur für Arbeit" sprach sich Gerster für eine Ausweitung der Marketing-Maßnahmen seines Hauses aus. "Wir werden noch als Behörde wahrgenommen, das muss sich ändern", sagte Gerster, ohne Spekulationen über die Kosten einer Umbenennung zu kommentieren. Die Einführung eines "zeitgemäßen Namens" erwarte er für kommendes Jahr.

Mit Blick auf den Streik in der Metallindustrie gab Gerster seiner Hoffnung auf einen Abschluss Ausdruck, der "die Geldentwertung und die Höhe der Produktivität widerspiegelt". Dass sich die Höhe des Abschlusses auf die Beschäftigung auswirke, stehe außer Zweifel, sagte Gerster.

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